Gabriels Coup: Mit Steinmeier-Vorschlag zur K-Kandidatur?

Gepostet am 14.11.2016 um 15:00 Uhr

Sigmar Gabriel hat bei der Union Steinmeier als gemeinsamen Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl durchgeboxt. Ist der SPD-Chef damit der große Gewinner?

Was für ein Coup. Da knallt Sigmar Gabriel der Kanzlerin und der versammelten Union einen SPD-Mann als Bundespräsidenten vor den Latz. Und: Er kommt damit durch. Und zwar genau auf diese Gabriel-großspurig-Art: Keine richtige Absprache innerhalb der SPD, schon gar keine mit dem Koalitionspartner. Volle Breitseite, Augen zu und durch.

Diesmal hat der Hasardeur gewonnen. Aber ich finde es interessant zu sehen, dass er eben kein lautes Siegesgeheul deswegen anstimmt. Champagnertrunken sah der SPD-Chef heute nicht aus, als er „Steinmeier for President“ verkündete. Eher: bescheiden im Augenblick des Triumphes. Das ist klug von Gabriel.

Denn nur deshalb konnte er mit seinem Poker überhaupt durchkommen: Weil die Kanzlerin in Sachen Bundespräsident einfach zu schwach auf der Brust ist. Merkel hat – wie früher schon – gezögert, gezaudert, und damit Chancen vertan. Dass sie nun Frank-Walter Steinmeier eine „Lösung der Vernunft“ nennt, zeigt, wie dramatisch dünn die Personaldecke der Union ist. KEINE einzige präsidiable Frau bei den Konservativen? Das an sich ist schon ein Skandal. Da hilft es wenig, dass Merkel nun uneitel über ihren Schatten springt und den beliebten und fähigen Steinmeier mitträgt. Respekt! – sagt dazu zwar Ex-Kanzler Schröder. Aber in den eigenen Reihen muss sich die Kanzlerin bohrende Fragen gefallen lassen.

Aber – ich glaube nicht, dass das ernsthaft an ihrem Lack kratzt, in Trump-bewegten Zeiten. Dafür ist Steinmeier auch in der Union zu geachtet. Die CDU-Kritik an der Kanzlerin richtet sich weniger an die Person, als ans Prinzip: dass eine Unionskanzlerin den wichtigen Bundespräsidenten-Job einem Sozialdemokraten überlässt. Daher hat Angela Merkel vielleicht am Ende weniger verloren als es jetzt aussieht. Und Sigmar Gabriel weniger gewonnen. Denn wer jetzt wie ein „SPD-Wonderman“ wirkt, der kann auch sehr schnell wieder zur wankelmütigen Wundertüte werden. Ein Russisch-Roulette-Spieler als Kanzlerkandidat, das mag noch gehen – aber als Kanzler? Schwierig, Herr Gabriel.

Zuletzt aktualisiert: 16.09.2019, 16:17:15