Vom Außenminister zum Bundespräsidenten?

Gepostet am 14.11.2016 um 11:25 Uhr

Keine Frage: Frank-Walter Steinmeier (SPD) ist beliebt. Laut Deutschland-Trend der ARD sind 72 Prozent der Bundesbürger aktuell mit seiner Arbeit zufrieden -– für einen Politiker ist das mehr als beachtlich. Ein Porträt.

 

Der Mann ist beliebt. Seit Monaten steht Frank-Walter Steinmeier beim Deutschland-Trend der ARD unangefochten an der Spitze. 72 Prozent der Bundesbürger sind aktuell mit seiner Arbeit zufrieden – für einen Politiker mehr als beachtlich, sogar für einen Außenminister. Dabei ist der SPD-Mann und gelernte Jurist eigentlich ein Quereinsteiger. Sein Entdecker und Förderer heißt: Gerhard Schröder. Der damalige Ministerpräsident in Niedersachsen macht Steinmeier 1993 zu seinem Büroleiter. Als Schröder Kanzler wird geht Steinmeier mit und übernimmt 1999 die Leitung des Kanzleramts. An der Agenda 2010 ist er maßgeblich beteiligt. Auch Jahre später verteidigt er die umstrittenen Sozialreformen gegen Kritik:

Es ging darum Menschen wieder in Arbeit zu bringen. Das glaube ich ist, das würde man heute sagen können, gelungen.

2005 wird Steinmeier Außenminister der ersten großen Koalition unter Angela Merkel. Eine überraschende Entscheidung. Steinmeier erarbeitet sich aber schnell einen Ruf als versierter Krisenmanager, vermittelt in vielen internationalen Konflikten. Bei der Bundestagswahl 2009 macht ihn die SPD zu ihrem Kanzlerkandidaten.

Stärke und Geschlossenheit sind Pflicht, weil unser Land uns jetzt braucht.

Die Wahl wird für die SPD zu einem politischen Debakel, für Steinmeier auch zu einem persönlichen. 23 Prozent für die deutsche Sozialdemokratie. Ein Minusrekord. Schwarzgelb regiert, Steinmeier ist als Chef der SPD-Bundestagsfraktion Oppositionsführer. 2010 ein privater Schicksalsschlag. Seine Frau erkrankt, Steinmeier spendet ihr eine Niere, und zieht sich für eine Zeit aus der Politik zurück.

Danke, für das Verständnis und wir sehen uns bald wieder.

2013 geht die zweite große Koalition von Angela Merkel an den Start, Steinmeier wird zum zweiten Mal Außenminister. Das Amt liegt ihm, es macht ihm Freude – auch wenn sich die Krisen häufen. Ukraine, Libyen, Irak, Syrien und und und. Nicht immer hat es der deutsche Chefdiplomat dabei mit angenehmen Gesprächspartnern zu tun.

Wenn ich mit allen Ländern nicht mehr sprechen würde deren Politik wir nicht teilen, dann hätte ich in der Tat mehr Zeit unsere prima Beziehungen zu Luxemburg zu pflegen. Das würde ich gerne machen, aber das ist deutlich weniger als man von uns weltweit erwartet.

Natürlich ist Steinmeier als Außenminister viel unterwegs. Pausenlos, ständig, auch in diesen aufgeregte Tagen. Schon lange wird er als möglicher Gauck-Nachfolger gehandelt. Und selbst bei seinem Vietnam-Besuch vor gut einer Woche geht es den mitgereisten Journalisten nur um die leidige K-Frage. Will er nun Bundespräsident werden – oder nicht?

Ja, dass es diese Debatte gibt ist mir auch nicht ganz verborgen geblieben. Sie müssen das kommentieren. Ich muss es nicht.

Eine typische Diplomatenantwort. Ab heute darf Steinmeier gerne ein bisschen deutlicher werden. Denn eins können die Bürger von ihrem künftigen Staatsoberhaupt erwarten: Nämlich – klare Worte.

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Korrespondent

Stephan Ueberbach

Stephan Ueberbach
Hörfunk-Studioleiter

Der Bericht aus Berlin

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Zuletzt aktualisiert: 22.09.2019, 04:45:44