DGB-Umfrage: Digitalisierung bringt mehr Stress

Gepostet am 10.11.2016 um 13:30 Uhr

Digitale Hilfsmittel sollten eigentlich das Arbeiten erleichtern. Doch nach einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes soll die Arbeitsbelastung durch die Digitalisierung zugenommen haben.

E-Mail, Handy, Laptop: Gerne auch vom Betrieb gestellt und kostenfrei privat nutzbar. Das klingt zunächst einmal verlockend. Eigentlich sollten die digitalen Hilfsmittel die Arbeitsprozesse  erleichtern. Doch für viele Beschäftige wird die Digitalisierung zunehmend zum Problem. Jeder zweite Arbeitnehmer gibt in der neusten Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes an, dass dadurch der Stress im Berufsalltag eher zu- als abgenommen hat. Betroffen sind, so DGB-Chef Reiner Hoffmann, nahezu alle Beschäftigten:

„82 Prozent der Befragten geben an, dass die Digitalisierung ihren Berufsalltag prägt. Das heißt, die Digitalisierung hat unsere Arbeitswelt im hohen Umfang erreicht.“ DGB-Chef Reiner Hoffmann

Es gibt eigentlich keinen Berufsbereich, der davon nicht betroffen ist. In der Industrie wird vieles nur noch durch computergesteuerte Produktions- und Terminplanung geregelt. Das Ganze ist keine neue Entwicklung, das weiß auch der Gewerkschafter. Doch die Digitalisierung vergrößert die Arbeitsintensität so sehr, dass darunter auch zunehmend die Qualität leidet:

„Fast jeder Vierte berichtet, dass er Abstriche machen muss bei der Qualität der Arbeit, mit der er sich ja eigentlich hochgradig identifiziert, um das Arbeitspensum, das vorgegeben ist, überhaupt zu schaffen.“ DGB-Chef Reiner Hoffmann

Die Digitalisierung hat es erst möglich gemacht, dass immer mehr Arbeitnehmer von zu Hause arbeiten können. Auch um Familie und Beruf besser unter einen Hut zu bringen. Mittlerweile beklagen allerdings viele, die „Home-Office“ betreiben, die Belastung nehme zu, erläutert Michael Vassiliadis, Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie:

„Nur 21 Prozent der Beschäftigten berichten von einer verbesserten Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf. Und nicht einmal dieses Ergebnis ist ausschließlich positiv zu bewerten. Denn bessere Vereinbarkeiten bedeuten nicht gleichzeitig weniger Arbeitsstress. Im Gegenteil: Diese Gruppe beklagt zu mehr als 70 Prozent, dass sie sich gehetzt fühlen.“ Michael Vassiliadis, Chef der IG BCE

Was fehlt, sind Regeln – dazu gehört Arbeitszeiterfassung ebenso wie ein Mitbestimmungsrecht. Die Beschäftigen sind ratlos und wissen nicht mehr: Wann beginnt mein Feierabend? Und kann ich mitentscheiden, welche neue Technologie eingesetzt wird? Hier sperren sich noch zu viele Betriebe vor klaren Vereinbarungen mit ihren Beschäftigten:

„Stillschweigend darf man das nur nicht laufen lassen. Weil das dann immer Stress – also jeden Falls bei denen, bei denen es ankommt – auslöst. Und darum geht es eigentlich.“ Michael Vassiliadis, Chef der IG BCE

Die beiden Gewerkschaftsbosse warnen: Die Arbeitgeber sollten den großen Vertrauensvorschuss der Beschäftigen nicht verspielen. Denn fast 90 Prozent von ihnen gaben an, dass sie sich mit ihrem Job identifizieren.

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Zuletzt aktualisiert: 22.09.2019, 22:29:58