CDU und CSU: Ein eingefrorener Konflikt wird aufgetaut

Gepostet am 03.11.2016 um 12:05 Uhr

Mit insgesamt sechs Deutschlandkongressen versuchen CDU und CSU ihren eingefrorenen Konflikt aufzutauen. Dass das nicht funktioniert, hat der Kongress in Bonn gezeigt, kommentiert Katrin Brand.

Es stand im Raum, kaum dass die Tür zum alten Plenarsaal in Bonn aufgegangen war. Das böse Wort mit O. O wie Obergrenze. Wann immer Vertreter von CDU und CSU sich derzeit begegnen, dauert es nicht lange, bis es jemand ausspricht.

Und selbst wenn es, wie gestern beim Deutschlandkongress, erst einmal niemand ausspricht oder kunstvoll umgeht, so ist es doch da. Werden sie sich darüber streiten, und wenn ja, wie heftig?

Seit Monaten stehen sich CDU und CSU in einem frozen conflict gegenüber, der zum Schaden aller ist: Nicht nur ist die Verständigung blockiert, auch jegliches Interesse an beiden Parteien wird in die Irre gelenkt.

Wer interessiert sich noch für Themen, Inhalte, wenn jederzeit der große Bruch kommen könnte? Die CSU hält solche eingefrorenen Konflikte offenbar ganz gut aus, die CDU aber braucht es harmonisch. Bis zur Selbstverleugnung geht der Wunsch, nicht im Unfrieden zu leben mit den Lieben.

Bis zur Selbstverleugnung

So hat sie seinerzeit die CSU-Maut hingenommen und das Betreuungsgeld geschluckt, so ist sie bei der Erbschaftssteuer nicht ihrem eigenen Finanzminister Schäuble gefolgt, sondern den Sonderwünschen aus Bayern. Und so wird sie sich womöglich die nächste Brennstufe der Mütterrente schönlügen.

Die Deutschlandkongresse, zu denen die Union in den vergangenen Wochen eingeladen hat, sind ein Versuch, diesen eingefrorenen Konflikt aufzutauen. Dass das nicht recht funktioniert, war gestern zu sehen.

Das Interesse der CSU ging gegen Null, und die angereisten CSU-Politiker sind als Europaabgeordnete oder Entwicklungshelfer dem Bayerischen Horizont so weit entwachsen, dass sie schon gar nicht mehr zählen. Ein netter Versuch, ein schöner Nachmittag für die, die dabei waren. Aber eben doch nur ein Stuhlkreis und keine echte Politik.

CSU rockt das Bierzelt

Sicher, CDU und CSU haben eine Menge gemeinsam. Zum Beispiel den gemeinsamen Feind rot-rot-grün, den Horst Seehofer gerade wieder vor der Wahl beschwört. Aber schon die Frage, ob die Grünen eher zu den Feinden oder zu den Freunden zu rechnen sind, scheiden sich die Geister. Die CDU kämpft eben um die Großstädte. Und die CSU rockt das Bierzelt.

Die wichtigste Frage aber bleibt, und sie schimmert durchs Eis des eingefrorenen Konfliktes: Wie hält es die CSU mit der Kanzlerin? Dass sie Angela Merkel nicht zum Parteitag eingeladen hat, ist an sich schon frech. Dass die CSU-Spitze so tut, als gäbe es eine Alternative zu Angela Merkel, ist unverschämt. Höchste Zeit, dass die CDU zeigt, wo ihre Obergrenze liegt. Ihre Obergrenze für Geduld mit der CSU.

Zuletzt aktualisiert: 22.09.2019, 03:43:46