Zeitumstellung: abschaffen oder nicht abschaffen?

Gepostet am 28.10.2016 um 14:45 Uhr

In Deutschland und in den meisten anderen Ländern werden die Uhren am frühen Sonntagmorgen zurückgestellt. Von drei auf zwei Uhr.

Wie immer wird auch die Tagesschau auf die Zeitumstellung aufmerksam machen. Immerhin: Die Umstellung auf die sogenannte Normalzeit, wie die Winterzeit eigentlich heißt, schenkt uns eine Stunde mehr – zum Beispiel zum Ausschlafen. Dennoch ärgern sich viele – auch viele Bundestagsabgeordnete – und zwar fraktionsübergreifend, dass jedes halbe Jahr an der Uhr gedreht wird – wie etwa Philipp Lengsfeld von der CDU:

Mich hat es schon immer gestört – die Zeitumstellung. Man muss dann irgendwelche Geräte umprogrammieren. Es ist einfach lästig.

Ich bin ein Gegner, weil, ich habe eine sehr stabile innere Uhr. Ich wache also immer morgens um sechs Uhr auf. Das ist blöd, weil ich dann auch Samstag und Sonntag, wenn ich mal ausschlafen könnte, so früh wach werde.

Das länger schlafen ist toll, aber dann kommt ja das Frühjahr und dann wird die Stunde wieder weggenommen und auch die Umstellung mit der einen Stunde länger schlafen, gelingt nicht jedem problemlos.

… so Ralph Lenkert von den Linken und Frühaufsteher Gustav Herzog von der SPD. Im Frühjahr bekamen die Zeitumstellungs-Gegner Rückenwind von Wissenschaftlern des Bundestages. Das Büro für Technologiefolgen-Abschätzung sah in seinem Bericht kaum einen Nutzen durch’s an der Uhr drehen – etwa Energieeinsparungen – dafür aber Hinweise auf mögliche körperliche Beeinträchtigungen. Der Thüringer Ralph Lenkert sagt:

Manche Personen brauchen bis zu vier Wochen, um wieder in ihren normalen Rhythmus zu finden. Unnormaler Rhythmus heißt Schlafstörung. Schlafstörung bedeutet, schlechtere Arbeitsleistung, schlechtere Lernleistung und gleichzeitig natürlich auch ein erhöhtes Risiko von Unfällen.

Unterschiedliche Auffassungen gibt es unter Experten, ob die Umstellung speziell auf die Sommerzeit gar ein erhöhtes Herzinfarktrisiko darstellt:

Wenn etwas ein Risiko haben kann und keinen Nutzen bringt, dann lass ich es.

Zeitumstellungs-Gegner wie Linken Mann Lenkert wollen deshalb, dass der Bundestag am besten die Bundesregierung auffordert, dass die sich auf EU Ebene für eine Abschaffung der Zeitumstellung einsetzt. Philipp Lengsfeld von der CDU hätte das zwar auch gern, gesteht aber auch ein:

Ich hab auch neben sehr viel Zustimmung durchaus aus Nachrichten aus der Bevölkerung bekommen. „Lassen Sie meine Sommerzeit in Ruhe“. Insofern, die Diskussionen laufen noch.

Sowohl Lengsfeld als auch Lenkert sind optimistisch, dass es das Thema noch vor der Wahl auf die Tagesordnung des Bundestags schafft. Der Rheinland-Pfälzer SPD Mann Gustav Herzog würde eine entsprechende Initiative unterstützen, gibt aber auch zu bedenken:

Sie brauchen hier eine europäische Regelung. Und dieses wird von anderen europäischen Ländern auch anders gesehen.

Der Linken Politiker Ralph Lenkert sieht einen Ausweg aus dem EU Dilemma:

Abschaffen der Zeitumstellung das geht nur auf EU-Ebene. Welche Zeitzone wir in Deutschland nutzen, das ist unsere Entscheidung. Nehmen wir Spanien, die sind eigentlich zwei Zeitzonen weiter westlich. Nutzen aber dieselbe Zeitzone wie wir – haben sozusagen, unsere Sommerzeit immer, plus eine Stunde noch oben drauf. Also die Entscheidung über die Zeitzone kann der Bundestag treffen.

Und eine Abschaffung der Sommerzeit hätte für Lenkert durchaus auch Symbolcharakter – denn eingeführt wurde sie erstmals von den Deutschen im ersten Weltkrieg:

Um das Tageslicht besser auszunützen für die Rüstungsproduktion. Da kann ich natürlich als Linker sagen, vielleicht ein kleiner Schritt in Richtung Friedenspolitik, dass man dieses Kriegsüberbleibsel abschafft.

 

Zuletzt aktualisiert: 16.07.2018, 16:39:52