Wer wird Bundespräsident? Die schwierige Kandidatensuche

Gepostet am 27.10.2016 um 19:30 Uhr

Johannes Rau hat mal gesagt, dass Deutschland mit seinen Bundespräsidenten „bisher viel Glück gehabt“ habe. Ein erstaunlich richtiger Satz. Erstaunlich vor allem, wenn man sich ansieht, wer es warum und mit welchen Methoden ins Amt geschafft hat, und wie mehr als einmal die Würde des Amtes in Gefahr schien.

1959 zum Beispiel. „Wir stehen vor dem Resultat einer Abwertung des Amtes des Bundespräsidenten durch die Art und Weise, wie um die Kandidatur gespielt wurde“, sagte SPD-Chef Erich Ollenhauer und meinte niemanden anders als den Kanzler. Konrad Adenauer hatte selbst kandidieren wollen, sich dann aber umentschieden. Am Ende wurde es Heinrich Lübke, eine Verlegenheitslösung. Selbst sagt er über sich, er „komme von einem kleinen Dorf im Sauerlande, von kleinen Leuten und man mir an der Wiege nicht gesungen, dass ich Kandidat für den Posten des Bundepräsidenten sein sollte“.

Wiedergewählt wurde der CDU-Mann Lübke übrigens auch mit den Stimmen der SPD. Herbert Wehner und er verstanden sich offenbar gut und waren bei Freunde einer Großen Koalition, die dann auch bald kam.

Die Präsidenten-Wahl als Vorbotin eines Regierungswechsels: dieses Motiv taucht noch öfter auf, zum Beispiel bei Lübkes Nachfolger Gustav Heinemann. Ihn, den SPD-Mann, unterstützte die FDP und machte so den Weg frei für ein völlig neues politisches Bündnis. Noch im selben Herbst wurde Willy Brandt Kanzler der ersten rot-gelben Bundesregierung von SPD und FDP. Dass es sich lohnen kann, auch mal als Zählkandidat anzutreten, bewies Richard von Weizsäcker. 15 Jahre lang versuchte er immer wieder, Bundespräsident zu werden. Erst scheiterte er bei der CDU-internen Vorauswahl, dann verlor er gegen Walter Scheel. „Die heutige Wahl war eine beeindruckende“, sagte er anschließend. Beindruckend, aber nicht entmutigend: 1984 trat Weizsäcker erneut an, gewann und blieb zehn Jahre im Amt.

Auch Johannes Rau und Joachim Gauck nahmen zweimal Anlauf nach Schloss Bellevue, ebenso wie Gesine Schwan. Sie allerdings erreichte nie die nötige Mehrheit, überhaupt: nie hat es bisher eine Frau ins Amt geschafft. Was nichts mit Qualifikation zu tun hat, versicherte vor Jahren Peter Müller von der CDU mit den Worten: „Selbstverständlich könnte eine Frau das, aber selbstverständlich könnte nicht nur eine Frau das“. Also haben es immer die Männer gemacht, die protestantischen Männer zumeist. Nur zwei der 11 Präsidenten waren katholisch, vier stammten aus NRW.

Schon 1994 wollte Helmut Kohl den ersten Präsidenten aus den neuen Ländern ins Amt holen. Doch Steffen Heitmann, der CDU-Mann aus Sachsen, entpuppte sich als Rechtsaußen und war nicht zu halten. Roman Herzog, damals Präsident des Verfassungsgerichtes, brachte mit wieder Ruhe ins Land. Er habe einen sehr aristokratischen Namen, aber auf Titel nie besonderen Wert gelegt“, versicherte er.

Im Konsens, so wie es mancher heute wünscht, wurden nur zwei Präsidenten installiert: Richard von Weizsäcker, CDU, holte bei seiner ersten Wahl auf Anhieb 80 Prozent der Stimmen, Joachim Gauck, parteilos, bekam sogar noch ein bisschen mehr.

„Was für ein schöner Sonntag“, strahlte er nach seiner Wahl. Am 12. Februar wird es wieder einer sein.

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Zuletzt aktualisiert: 17.10.2018, 16:27:54