Rekrutierung 4.0 – Bundeswehr fischt im Netz

Gepostet am 24.10.2016 um 16:10 Uhr

Die Bundeswehr braucht Nachwuchs und hat sich deswegen für einen ganz neuen Ansatz entschieden, mit dem sie junge Menschen für sich begeistern will. Ab 1. November startet eine Webserie mit dem Namen „Die Rekruten“ auf Youtube. Dafür werden Soldatinnen und Soldaten bei ihrer Grundausbildung begleitet. Die Bundeswehr verspricht realistische Einblicke: „Wir zeigen die Höhen, aber auch die Niederlagen“.

Geheimnis, Spannung, Abenteuer – das ist der Sound neuen Reality- Doku „Die Rekruten“. Wie der Vorspann einer angesagten amerikanischen Serie. Dabei geht es um etwas, was eigentlich so spannend gar nicht klingt: die Grundausbildung bei der Bundeswehr. Zwölf Rekruten – zwei Frauen und zehn Männer – werden drei Monate lang mit Kameras begleitet, auf einem Marinestützpunkt in Mecklenburg-Vorpommern. Dabei entstehen kurze Filme: fünf Minuten lang, jeden Tag ein neuer hochgeladen, 90 Folgen insgesamt. Im Youtube-Stil, das heißt: schnelle Schnitte, wackelige Selfie-Optik, kurze O-Töne, knallige Musik.

Ich bin Jerôme, 18 Jahre alt, wohn hier in Moers, ist jetzt nicht spektakulär, hier fahren vielleicht mal ein paar Autos vorbei…

Der 18-jährige Jerôme mit dem Hobby Breakdance, zu Hause gefilmt  – ein cooler Typ und ein geradezu idealer Kandidat für die Serie. Denn die Bundeswehr will die 17- bis 25-Jährigen ansprechen, um Nachwuchs zu gewinnen. Der Kommunikationschef für die Arbeitgebermarke Bundeswehr, Dirk Feldhaus, meint, man wolle zeigen, wie die Ausbildung heute wirklich sei:

Wir zeigen dabei die Höhen, aber auch die Niederlagen, denn letztendlich werden fast alle bei der Ausbildung auch an ihre Grenzen kommen. Und auch das wollen wir authentisch zeigen. Es gibt kein Skript, das Skript ist unser Ausbildungsplan, das Skript sind die Rekruten selbst, wie sie ihre Ausbildung erleben.

Betten machen, früh aufstehen, Ausrüstung schleppen – natürlich wirkt das angesichts der knalligen Aufarbeitung in den Filmchen deutlich spannender als es in Wahrheit ist. Wobei die Rekruten in den ersten Folgen deutlicher weniger angeschrien werden als man vermuten würde. Ob sich die Ausbilder für die Serie extra zurückgenommen haben? Oberbootsmann Christoph Sowa muss ein bisschen grinsen:

Es kommen noch weitere Folgen, wo der Ton rauer wird, jetzt war es ein bisschen entspannter noch, aber es wird noch auf jeden Fall sehr rau.

Nun, es soll ja realistisch sein. Die Bundeswehr hat sich diese Reality-Doku übrigens einiges kosten lassen, nämlich 1,7 Millionen Euro. Dafür gab es schon Kritik. Der Grünen-Verteidigungspolitiker Tobias Lindner meinte, so lange die Ausrüstung der Bundeswehr marode sei, nützten die teuersten Werbefilmchen nichts. Die Millionen solle Verteidigungsministerin von der Leyen doch lieber für die Soldaten ausgeben. Dirk Feldhaus glaubt dagegen, das Geld sei eine gute Investition:

So haben wir 90 Tage lang immer wieder neue Inhalte auf Youtube, die nicht nur 90 Tage lang geschaut werden, sondern die letztendlich jahrelang immer wieder auf Youtube gefunden werden. Weil auch die nächsten Jahrgänge sich die Serien anschauen werden.

Neunzig Tage lang kann man nun dabei zusehen, wie aus jungen Menschen junge Soldatinnen und Soldaten werden, wie es die Bundeswehr formuliert. Und wer tatsächlich dranbleibt wird dann auch erfahren, ob der junge Breakdancer Jerôme noch genauso begeistert als Werbefigur für seinen neuen Arbeitsgeber zur Verfügung steht:

Ich bin heiß, heiß auf den Dienstantritt natürlich!… Yo Leute das war’s erstmal, ab November geht’s dann hier auch wieder weiter. Ich bin erstmal raus, hau’ rein Alter.

Zuletzt aktualisiert: 18.10.2018, 06:50:41