Dobrindt gibt mehr Geld für vernetztes Fahren

Gepostet am 18.10.2016 um 16:35 Uhr

Alle Experten sind sich einig. Das weitgehend selbstfahrende Auto ist die Zukunft im Straßenverkehr. Noch liegen Tesla und Google hier vorne – aber Deutschland soll möglichst bald an die Spitze fahren.

Der große Pressesaal im Verkehrsministerium sieht heute eher aus, wie eine Messehalle. Siemens hat einen kleinen Stand aufgebaut und zeigt die neuesten Radarsensoren… Auch die Telekom ist natürlich da… und Audi hat gleich ein ganzes Auto mitgebracht. … Die deutsche Industrie rückt zusammen. Und Alexander Dobrindt ist als Gastgeber sichtlich stolz, dass er auch schon im Ausland nach seiner digitalen Teststrecke auf der A9 gefragt wird.

„Die Marke „Tested on German Autobahn“ hat sich schon rumgesprochen. Und das man das ohne Speedlimit machen kann, ist natürlich nochmal eine Besonderheit.“

Und weil es die Teststrecke jetzt ein Jahr gibt, hat Dobrindt zur Zwischenbilanz nach Berlin geladen. Aber darum geht es eigentlich nur am Rand. Die Hersteller denken schon an Übermorgen. Und manches klingt tatsächlich noch fast nach Science Fiction…

„Ein Fahrzeug detektiert mit dem ESP: an der Stelle ist eine andere Haftung. Und das meldet das an die Cloud. Die Cloud verteilt das an die anderen Fahrzeuge, die in der Nähe sind. So das sie dann vorab wissen, ok, da tut sich was.“

Sagt Dietmar Rabel vom Kartendienst „Here“. Und was er meint ist folgendes. Wenn ich mit meinem Auto plötzlich auf Glatteis komme, dann warnt mein Auto sofort allen anderen Autos im Umkreis. Und die dann hoffentlich auch die Fahrer. Wie gesagt – klingt futuristisch. Soll aber in zwei, drei Jahren möglich sein. Weil dann genug Autos die passenden Sensoren haben und fleißig Daten sammeln.

„Deswegen müssen wir auch möglichst frühzeitig in den Markt gehen. Mit Lösungen, die auch Kunden ansprechen, die sie gerne in ihrem Auto haben möchten. Die aber gleichzeitig auch diese Daten liefern können. Je mehr Daten wir bekommen, umso besser.“

Und spätestens wenn man die Industriestände im Ministerium einmal abgelaufen ist, mach man sich keine Illusion mehr. Autos sind die Datenschleudern der Zukunft. Sie kommunizieren untereinander. Mit Straßenschildern und Leitpfosten – daran arbeitet Siemens. Und alles läuft über die Cloud. Da kommt dann die Telekom ins Spiel. Ein bisschen schwindelig kann einem dabei schon werden. Aber die Industrie und auch Alexander Dobrindt sind fest entschlossen. Deutschland wird in ein paar Jahren weltweit Spitze beim automatisierten Fahren. Und dafür muss halt auch Schluss sein, mit dem ganzen Gerede über Datensparsamkeit – findet der Minister:

„Wenn Wertschöpfung aus diesen Daten entstehen muss, dann brauchen wir einen Datenreichtum, an den müssen wir hinkommen. Dann partizipiert auch der Staat erheblich an dem, was da verdient wird.“

Der Autofahrer von morgen wird also auch zur digitalen Wertschöpfungsmaschine. Kein Wunder, dass das Ministerium 80 Millionen Euro für neue Teststrecken ausgeben will. Nicht mehr nur auf der Autobahn. Auch München, Hamburg, Berlin und andere Städte werden demnächst mit Radar-Sensoren und Kameras ausgestattet. Spätestens 2030 sind dann wahrscheinlich auch die kühnsten Visionen Wirklichkeit…

„Wenn ich mir zukünftig vorstelle, ich fahr da hin mit meiner Frau und steig da vorm Theater aus und drück aufs Knöpfchen und das Auto fährt dann in die Garage rein – ob mit oder ohne Frau ist egal – aber es fährt auf jeden Fall rein. Ist doch super, so stell ich mir das vor!“

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2018, 23:15:16