Glücksatlas zeigt: Tolerante Deutsche sind glücklicher

Gepostet am 18.10.2016 um 13:20 Uhr

Insgesamt ist Deutschland zufriedener geworden, sagt der neue Glücksatlas der Deutschen Post. Das hänge einerseits an der wirtschaftlichen Entwicklung, andererseits daran, wie tolerant die Bevölkerung sei.

Nach dem neuen Glücksindex sind die Menschen in Deutschland etwas zufriedener geworden. Das liege vor allem an der guten wirtschaftlichen Entwicklung, meint der Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg:

„Deutschland hat in den letzten Jahren ein Beschäftigungswunder erlebt. Wir haben noch nie so viele Menschen in Beschäftigung gehabt wie heute. Noch nie so hohe Frauenerwerbsquoten gehabt wie heute. Noch nie so hohe Einkommenszuwächse, Realeinkommenszuwächse gehabt wie heute. Da müssen Sie in die sechziger Jahre zurück, bis Sie die finden.“

Vier Faktoren beeinflussten das Zufriedenheitsgefühl der Menschen, sagt Raffelhüschen: Gesundheit, Gemeinschaft, Geld und die Mentalität. Gesund zu sein, sei für die Menschen sehr wichtig, aber auch das Zusammenleben mit einem Partner und Freunde seien entscheidende Faktoren für das Zufriedenheitsgefühl.

„Sie sehen, dass diejenigen ohne Partner die Frustköppe sind. Hätten Sie vermutet. Und dass diejenigen mit Partner natürlich deutlich besser drauf sind. Hätten Sie auch vermutet. Aber wussten Sie, dass diejenigen, die den Partner gewechselt haben, besser drauf sind?“

Das jedenfalls hat die Befragung im Auftrag der Deutschen Post ergeben. Regional ist die Zufriedenheit der Menschen durchaus unterschiedlich. Spitzenreiter unter den deutschen Regionen bleibt Schleswig-Holstein vor Franken und dem nördlichen Teil Niedersachsens.

Den größten Sprung nach vorn – von 12 auf 7 – hat die Region Köln gemacht, während die Region Düsseldorf abgerutscht ist. Die fünf östlichen Bundesländer und Berlin liegen weiterhin am Ende der Zufriedenheits-Rangliste.

Sie haben aber mit Ausnahme von Berlin alle aufgeholt, also die Unterschiede zum Westen sind geringer geworden. Ganz am Ende der Tabelle liegt weiterhin Mecklenburg-Vorpommern, aber auch dort hat die Zufriedenheit zugenommen.

Einen Schwerpunkt legte die Umfrage in diesem Jahr auf das Thema kulturelle Vielfalt und Zuwanderung. Dazu sagte Jürgen Gerdes, Vorstand der Deutschen Post:

„Die erste Erkenntnis aus der Befragung aus dem Schwerpunktthema ist, dass die große Mehrheit Deutschland grundsätzlich als ein weltoffenes und tolerantes Land sieht. Zwei Drittel der Deutschen stehen dem Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen tolerant bis sehr tolerant gegenüber.“

Bei allen Fragen nach der Offenheit gegenüber Zuwanderern oder dem Zusammenleben mit Menschen anderer Kulturen zeigt sich in Ostdeutschland durchweg eine größere Skepsis. Die Toleranz ist deutlich geringer.

„Es gibt als zweite Erkenntnis eine durchgehend kritischere Einstellung in Ostdeutschland in puncto Toleranz und Weltoffenheit, wenn man es mit Westdeutschland vergleicht.“

Interessant ist aber auch, dass Menschen, die Kontakt mit Ausländern haben, viel toleranter sind als die, die eigentlich nur selten mit Menschen aus anderen Ländern oder Kulturen zusammenkommen.

Und noch ein Ergebnis brachte die Befragung: Menschen, die gegenüber ihrer Umwelt und auch Zuwanderern gegenüber tolerant sind, sind insgesamt zufriedener mit ihrem Leben.

„Es besteht also ein eindeutiger Zusammenhang zwischen kultureller Offenheit und dem Glück. Tolerante Menschen sind zufriedener mit ihrem Leben. Das gilt für – wie ich’s eben schon sagte – für alle Themenstellungen des normalen Lebens, aber eben gerade natürlich auch beim Thema kulturelle Vielfalt.“

Also lernen wir aus dieser Studie: Toleranz macht glücklich.

Zuletzt aktualisiert: 22.07.2018, 08:57:25