Seehofer und seine Machtspiele im Ungefähren

Gepostet am 17.10.2016 um 11:25 Uhr

Mit seiner Aussage, dass er eines seiner beiden Ämter aufgeben will, hat Horst Seehofer Verwirrung gestiftet. Ist er amtsmüde? Oder will er seinen Intimfeind als Nachfolger verhindern? Mathias Zahn kommentiert.

Das ist mal wieder ein echter Horst Seehofer. Vor einer Woche mahnt er seine CSU noch: Wir brauchen jetzt keine Personaldiskussion. Am Wochenende heizt er die Spekulationen dann aber so richtig an.

Nach seinem Interview-Aufschlag in einer Sonntagszeitung ist jedoch eigentlich nur eins klar: Horst Seehofer hält sich alle Optionen offen. So wie er es liebt. Jeder kann in seine Aussagen das hineininterpretieren, was er will. Was Seehofer will, bleibt sein Geheimnis.

Schon seit einiger Zeit sagt er intern: Der nächste CSU-Chef müsse in Berlin am Kabinettstisch sitzen, um die Durchschlagskraft der CSU zu halten beziehungsweise zu steigern. Jetzt lobt Seehofer öffentlich die Ämtertrennung als Erfolgsmodell.

Verweist auf die Vergangenheit mit Tandems wie Stoiber/Waigel. Dass die CSU mit der Doppelspitze Beckstein/Huber 2008 ihre absolute Mehrheit verspielt hatte, lässt Seehofer unerwähnt. Die Doppelspitze sei jetzt notwendig, weil sich die politische Situation total verändert habe.

Der Meister des Ungefähren

Weil im nächsten Bundestag wahrscheinlich sieben Parteien sitzen werden, sagt Seehofer voraus. Natürlich ohne die Parteien zu nennen. Der Meister des Ungefähren hat schließlich gesprochen.

Wie es weiter geht – darüber darf kräftig spekuliert werden: Will der CSU-Chef CSU-Chef bleiben und sich in Berlin als Minister unter Merkel in die Kabinettsdisziplin einordnen? Oder will er Ministerpräsident bleiben und den neuen CSU-Chef nach Berlin schicken?

Ausgeschlossen hat er nichts

Oder hört er im kommenden Jahr ganz auf und überlässt seinen Nachfolgern die schwierige Aufgabe, die absolute Mehrheit bei der Landtagswahl 2018 zu verteidigen?

Ausgeschlossen hat Seehofer mit seinen Interviewaussagen nichts. Und warum kommt er gerade jetzt damit? Ist ihm die Doppelbelastung zu anstrengend? Viele in der CSU sehen einen anderen Grund: Seehofer nimmt einen neuen Anlauf, um seinen Intimfeind Markus Söder als Nachfolger zu verhindern.

Ein brutaler Machtkampf?

Denn Söder hat kategorisch ausgeschlossen, nach Berlin zu gehen, und wehrt sich mit allen Kräften dagegen, in die Hauptstadt abgeschoben zu werden. Seehofer hat den Druck auf Söder jetzt auf jeden Fall erhöht. In der CSU sprechen einige schon von einem brutalen Machtkampf zwischen den beiden.

Ein Machtkampf, in dem es Seehofer gerade einmal wieder zu genießen scheint, dass er am längeren Hebel sitzt und sich alle Möglichkeiten offen hält. Eine andere Frage ist, ob Seehofer überhaupt schon weiß, was er eigentlich will.

Zuletzt aktualisiert: 19.07.2018, 21:07:33