Wankas 5-Milliarden-Digitalpakt

Gepostet am 12.10.2016 um 17:50 Uhr

Das Angebot von Bundesbildungsministerin Wanka (CDU) ist ein Schritt in die richtige Richtung, findet Dagmar Pepping.

Die Vorstellung ist wahnwitzig: In einer Schule – egal ob in Berlin oder Pusemuckel – nutzen Schüler und Lehrer im Unterricht kostenfreies, schnelles WLAN. Gleichzeitig fällt der Putz von der Decke und in den Toiletten schimmelt es. Willkommen in der Bildungsrepublik Deutschland!

Experten beziffern den Sanierungsstau in den Schulen auf mehr als 30 Milliarden Euro. Der Bund könnte finanziell helfen. Er darf es aber nicht. Der Grund: das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern im Bildungsbereich, geregelt im Grundgesetz. Ergebnis eines Kuhhandels bei der Föderalismusreform 2006 und der wohl größte Fehler in der Bildungspolitik der vergangenen Jahrzehnte.

Wegen dieses Blödsinns muss Bundesbildungsministerin Johanna Wanka einen Kniff nutzen, damit sie den Ländern fünf Milliarden Euro für Computer, Breitbandanbindung und WLAN überhaupt anbieten kann: Artikel 91c des Grundgesetzes, der eine Kooperation im IT-Bereich erlaubt.

Die fünf Milliarden des Bundes wären gut angelegtes Geld. Die digitale Revolution verändert in atemberaubender Geschwindigkeit die Art, wie wir leben, lernen und arbeiten. Schon in der Grundschule müssen die Kinder an diese digitale Welt herangeführt werden. Ich rede hier nicht über Informatik als Pflichtfach, sondern über gute Lernsoftware, die auf die unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Schüler eingeht oder Bildungsangebote in einer Cloud, auf die jede Schule zugreifen kann. Grenzenloses Lernen auf dem Fundament kluger pädagogischer Konzepte. Denn: Technik ist kein Selbstzweck – da hat Bildungsministerin Wanka vollkommen recht. Ebenfalls zwingend notwendig: Lehrer, die für die Herausforderungen und die Chancen dieser digitalen Bildungswelt ausgebildet sind und – ganz wichtig – ausreichend Zeit für guten Unterricht haben. Der digitale Wandel ist unaufhaltsam. Die „Vogel Strauß-Methode“ funktioniert nicht.

Deshalb: Wir brauchen dringend mehr Geld für digitale Bildung an den Schulen. Die fünf Milliarden des Bundes können erst der Anfang sein, weitere Finanz-Updates müssen folgen – nicht nur für die Computer. Die Länder sollten schnellstens auf das Angebot des Bundes eingehen. Die Eitelkeit von Länderfürsten hilft nicht weiter, wenn die Kassen leer sind.

Also, weg mit dem unsinnigen Kooperationsverbot! Sonst sitzen die Schüler bald mit dem neuesten Laptop im Unterricht und der Wind pfeift weiterhin durch undichte Fenster.

Zuletzt aktualisiert: 23.10.2018, 09:13:15