Merkel in Afrika – 3 Länder in 3 Tagen

Gepostet am 12.10.2016 um 10:25 Uhr

Angela Merkel bringt einiges mit von ihrem Schnelltrip nach Afrika. Viele Eindrücke, Fragen, anrührende Begegnungen, auch Bedrückendes.

 

Ganz am Ende hat sich die Kanzlerin in Äthiopien noch mit Oppositionsgruppen getroffen. Mit einem Blogger und einer Menschenrechtsaktivistin hat sie über deren Befürchtungen für das Land im Ausnahmezustand geredet. Von Hoffnungslosigkeit ist bei der Kanzlerin jedoch wenig zu spüren:

Afrika ist ein Zukunftskontinent. Die entscheidenden Weichen für eine tatsächlich gute Zukunft gilt es in der Gegenwart zu stellen. Und dabei stehen Deutschland und die Europäische Union als Partner gern zur Seite.“

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Der äthiopische Nationalpalast in Addis Abeba

Mitte nächsten Jahres will Merkel im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft afrikanische Staatschefs nach Berlin einladen. Sie mit der Wirtschaft zusammenbringen, auch wenn die Chancen und Ambitionen deutscher Unternehmen auf dem afrikanischen Markt überschaubar sind. Denn Merkel ist überzeugt:

Das Wohl Afrikas liegt im deutschen Interesse, davon bin ich zutiefst überzeugt, deswegen sind wir aufs Engste verbunden. 

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Für’s Fernsehen begleiten Tina Hassel, Studioleiterin des ARD-Hauptstadtstudios und Kameramann Christian Soujon die Kanzlerin

Dabei hat sich Merkel zwar schon vorher für Afrika interessiert. Aber die Flüchtlingskrise hat ihren Blick auf den Kontinent verstärkt. Albrecht Conze leitet eine europäische Polizeieinheit in Mali. Das Ziel: die Sicherheitskräfte im Land zu schulen. Der weißhaarige Diplomat mit den feinen Manieren kennt sich aus wie kaum jemand im afrikanischen Tohuwabohu, und er zeichnet ein düsteres Bild:

Der Schmuggel von Drogen, von Menschen, von Waffen geht durch die Sahara.. alles was Strukturen stärkt… politisches Ziel.

Im Zentrum für rückkehrwillige Flüchtlinge in Niamey in Niger nimmt sich Merkel besonders viel Zeit. Ein paar schlichte Häuser stehen rund um einen sandigen Innenhof. Die Internationale Organisation für Migration bietet hier vor allem Männern etwas Ruhe und Hilfe, die gestrandet sind auf dem vermeintlich verheißungsvollen Weg in den Norden Marine aus Frankreich betreut die Männer:

Meistens haben sie wirklich schlimme Erfahrungen gemacht, z.B. in Libyen. Sie haben keine Jobs gefunden und sind jetzt hier. Sie wollen nach Hause aber haben kein Geld. Wir helfen ihnen.

11-merkel-issoufouIn Niger hat Merkel den Präsidenten Mahamadou Issoufou getroffen

Deutschland wird diese Rückkehrer-Zentren in Niger künftig mit Millionenbeträgen fördern. Trotzdem wird die Kanzlerin in Afrika nicht als Abschotterin gegen Flüchtlinge gesehen. Sondern als willkommene Partnerin in schwieriger Lage, lobt die Vorsitzende der Afrikanischen Union, Nkosazana Zuma:

Sie sind ein weltweites Vorbild für Frauen in Führungsrollen, Danke, dass Sie auch Entscheidungen treffen, die nicht populär sind!

Der Afrika-Experte ist überzeugt, dass der Besuch der Kanzlerin in Mali, Niger und Äthiopien einen Schub bringen kann. Eine vorsichtige Hoffnung auf etwas mehr Stabilität. Und das, sagt Conze, ist ja immerhin schon ein kleiner erster Schritt.

 

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2018, 23:14:58