Fokus Afrika

Gepostet am 08.10.2016 um 10:30 Uhr

Angela Merkel ist die erste Bundeskanzlerin, die offiziell Mali und Niger besucht – anschließend geht es nach Äthiopien. Angela Ulrich begleitet die Reise.

Sie ist die erste Kanzlerin, die offiziell Mali und Niger besucht. Anschließend dann auch noch Äthiopien. Aber Angela Merkel hat auch allen Grund, sich gen Afrika zu bewegen: Hier liegt die grösste Herausforderung, um die Flüchtlingskrise langfristig in den Griff zu bekommen, ist Merkel überzeugt.

Fünf Jahre lang war Angela Merkel nicht in Afrika. Doch spätestens mit der Flüchtlingskrise ist der Kontinent wieder voll ins Blickfeld der Kanzlerin gerückt. Das Prinzip – Fluchtursachen bekämpfen – setzt in Afrika an. Auch, weil Deutschland und Europa hier in der Vergangenheit viel versäumt haben, sagt Merkel deutlich: „Wir haben durch Kolonialismus sehr dazu beigetragen, dass manches in Afrika heute schwer möglich ist. Schauen Sie sich mal die Grenzziehungen an. Die sind nach Rohstoffvorkommen und nicht nach dem Zusammenleben von Stämmen und Völkern gemacht worden.”

Wenn Merkel zunächst nach Mali und Niger reist, dann sind das zwei Staaten, die zu Drehkreuzen der Migration geworden sind. Mali leidet unter islamistischen Gruppen, wie al-Kaida und Boko Haram. Neben der französischen Armee sind dort auch mehrere hundert Bundeswehrsoldaten stationiert, im Norden, in Gao. Der Nachbar Niger wiederum ist bettelarm, aber Schleuserzentrum für viele Flüchtlinge, die das Mittelmeer und Europa erreichen wollen. Deutschland will auch hier mehr Soldaten stationieren. Wir brauchen eine neue Art der Zusammenarbeit, einen Marshallplan, sagt Entwicklungsminister Müller: “Wir müssen eine andere Dimension der Zusammenarbeit einleiten. Das heißt: Investitionen, eine neue Partnerschaft auf Augenhöhe, Zugang zu europäischen Märkten erleichtern, und Wertschöpfung vor Ort, nicht nur Ausbeutung der Ressourcen.”

Von einer neuen Afrika-Politik, einer Wiederentdeckung des Kontinents, will die Kanzlerin aber nicht sprechen. Sie nennt eher praktische Ziele: Terror bekämpfen, Schleuser schwächen, Ausbildungswege stärken, damit die vielen jungen Leute des Kontinents Chancen zuhause sehen, und sich nicht aufmachen auf den Weg nach Europa. Das hat uns ganz direkt zu interessieren, macht Merkel klar: “Zu einer offenen Gesellschaft gehört, dass wir hier versuchen, solche Balancen hinzubekommen, dass junge Afrikaner, wenn sie ein Smartphone in die Hand bekommen, nicht als erstes sagen, ich muss dahin, wo ich eine bessere Welt sehe, sondern in einem Land leben, bei dem es zumindest schrittweise bergauf geht, und das ist unsere Aufgabe.“

Eine Aufgabe, die allerdings jede Menge Fallstricke birgt. Vor Merkels Abreise nach Afrika haben Exil-Äthiopier und die Gesellschaft für bedrohte Völker eine Mauer aus bemalten Kartons vor dem Brandenburger Tor in Berlin aufgerichtet. Dazu Fahnen, Schlauchboote, Bilder von Gräueltaten. Äthiopien, das dritte Land auf Merkels Afrika-Tour, war mal ein Vorbild auf dem Kontinent. Inzwischen gibt es Unruhen, Volksgruppen protestieren gegen das Regime. Die Kanzlerin darf sich da nicht wegducken, sagt Haile Mengesha, Äthiopier in Berlin: “Wir sagen, für so eine diktatorische Regierung: keine Unterstützung, oder jegliche Unterstützung mit der Achtung der Menschenrechte verbinden!”

Äthiopien bekommt rund 130 Millionen Euro deutsche Entwicklungshilfe im Jahr. Auch in Mali und Niger tut die Bundesregierung eine Menge: Sie baut Schulen, hilft bei Bewässerungsprogrammen für die Landwirtschaft, bei Bildung und Gesundheitsvorsorge. Auch die Privatwirtschaft interessiert sich immer mehr für den Kontinent: “Wir brauchen deutsches Investment auf dem afrikanischen Kontinent, und wir sollten unsere Chancen dort offensiv nutzen.”

Entwicklungsminister Gerd Müller kann dabei aber bisher auf nur ausgewählte deutsche Projekte verweisen: Eine große Solarfabrik in Marokko zum Beispiel. In anderen Ländern ist die Unsicherheit für die Unternehmer noch viel zu groß. Das zeigt sich auch bei Merkels Reisegruppe: Wirtschaftsvertreter nimmt die Kanzlerin gar nicht erst mit nach Afrika.

Zuletzt aktualisiert: 16.10.2018, 09:40:25