Lohngleichheitsgesetz – ein Schritt ins Leere

Gepostet am 07.10.2016 um 11:00 Uhr

Mind the gender pay gap

Frauen verdienen in vergleichbaren Jobs weniger als Männer. Man muss keine Frau sein, um das ungerecht zu finden. Das, was die Koalition da gestern beschlossen hat, wird das Problem aber nicht lösen. Transparente Gehälter gibt es längst in anderen Ländern. Und die Lohnlücke ist da auch nicht wesentlich kleiner als bei uns.

Ist ja auch nachvollziehbar. Dem Chef bei der nächsten Gehaltsverhandlung mal eben Sexismus vorzuwerfen, weil man weniger als der Kollege am Nachbartisch verdient… das muss Frau sich erst mal trauen. Ob’s ratsam ist, ist dann nochmal eine andere Frage.

Das ganze dürfte also in etwa den Effekt der Mietpreisbreme haben. Wo Mieter ja auch theoretisch gegen den Vermieter vor Gericht ziehen können. Macht in der Praxis nur keiner. Der Kapitalismus lässt sich halt auch durch gut gemeinte Gesetze nicht so einfach austricksen.

Wobei es bei der Lohngleichheit ja sogar Möglichkeiten gibt. Studien zeigen nämlich immer wieder, dass Frauen bis Ende 20 eben nicht zu den Gehaltsverlieren gehören. Dann kommt das erste Kind, die Elternzeit, die Teilzeit und damit der Lohnknick.

Wer also Gerechtigkeit will, sollte endlich dafür sorgen, dass Kinder keine Karrierebremse mehr sind. Durch bessere Ganztagsbetreuung, einfacheres Wechseln von Teilzeit in Vollzeit. Und durch mehr Anreize auch für Männer in Elternzeit zu gehen.

Und ja, es stimmt! Die Politik hat in den vergangenen Jahren hier Fortschritte gemacht. Das Lohngleichheitsgesetz ist aber eher ein Schritt ins Leere!

Zuletzt aktualisiert: 19.07.2018, 20:50:09