Auch Millionäre können Politik für die Mittelschicht machen

Gepostet am 19.11.2018 um 16:26 Uhr

Wir haben in Deutschland noch ziemliche Berührungsängste mit Millionären in der Politik. Das sollte allerdings kein Ausschlusskriterium für Friedrich Merz als CDU-Vorsitzenden sein, kommentiert Christopher Jähnert.

Kann ein Millionär Politik für ärmere Menschen machen? Warum nicht? Zugegeben, es gibt in Deutschland bisher nicht so viele Beispiele dafür. Und dass das bei uns auch alles andere als normal ist, zeigt das Rumdrucksen von Friedrich Merz, wenn er nach seinem Vermögen gefragt wird.

Wenn wir mal in die USA schauen: Dort ist es ganz normal, dass Millionäre in die Politik gehen – und dass daraus kein Geheimnis gemacht wird. Ex-Präsident Barack Obama zum Beispiel war und ist sicher kein armer Mensch. Aber er hat auch viel für die ärmeren Amerikaner getan: Viele von ihnen hatten plötzlich zum ersten Mal überhaupt eine Krankenversicherung. Und das hat er gegen Widerstände aus der Opposition und auch aus der Wirtschaft durchgesetzt.

Im Idealfall unabhängiger

Jetzt ist Friedrich Merz ganz sicher nicht Barack Obama. Aber das ist zumindest mal ein Beispiel, dass auch Millionäre in der Politik etwas für die Masse der Menschen bewegen können.

Ein Vorteil, wenn man als Politiker schon mehr oder weniger ausgesorgt hat: Man ist im Idealfall unabhängiger, muss sich weniger Sorgen um das eigene Einkommen machen. Und vielleicht würde das der Politik auch ganz gut tun. Aber leider liefern die USA auch da ein Beispiel, wie es aussehen kann, wenn einem Staatsoberhaupt wirklich alles egal zu sein scheint.

Berührungsängste mit Millionären

Aber es ist Zeit, dass wir in Deutschland mal selbst Erfahrungen damit sammeln. Vielleicht wäre es wirklich nicht so schlecht, wenn mehr Wirtschaftsbosse den Schritt in die Politik wagen würden. Sie bringen Erfahrung mit und sie haben schon bewiesen, dass sie sich durchsetzen können. Beides keine schlechten Eigenschaften für einen Politiker.

Aber man muss auch sagen: Das kann so laufen. Vielleicht ist das auch alles ein wenig Wunschdenken, das gebe ich zu. Fest steht nur: Wir haben in Deutschland noch keine Erfahrung und ziemliche Berührungsängste mit Millionären in der Politik.

Einen Versuch wäre es wert

Leider wissen wir im Moment noch nicht wirklich, wie sich Friedrich Merz positionieren würde – und ob er überhaupt viel bewegen kann und will. Da können wir gerade eigentlich nur spekulieren.

Merz müsste erst einmal beweisen, dass er auch Politik für Menschen machen kann, die wirklich zur Mittelschicht gehören – und das nicht nur behaupten. Einen Versuch wäre es wert.

Zuletzt aktualisiert: 10.12.2018, 01:44:50