Anti-Doping-Gesetz: Viel Lob, aber auch Kritik

Gepostet am 01.11.2016 um 17:18 Uhr

Politiker und Sportler loben Deutschlands Anstrengungen im Anti-Doping-Kampf – doch die Sorge vor möglichen Nachteilen für deutsche Athleten wird angesichts unzähligen internationalen Skandale immer größer.

Was Doping-Kontrollen für deutsche Spitzensportler jeden Tag bedeuten – das haben einige von ihnen im Bundesjustizministerium erzählt: Morgens früh um sechs aus dem Bett geklingelt werden zum Beispiel, sich täglich an- und abmelden, spezielle Erkältungsmedikamente meiden. Kein Spaß, sagen die Athleten, aber notwendig.

Dass wir in Deutschland jetzt ein Anti-Doping-Gesetz haben, finden sie richtig. Es bedeutet: Wer als Leistungssportler dopt, handelt kriminell und kann dafür ins Gefängnis kommen. Noch gibt es keinen Fall, der nach diesem Gesetz entschieden wurde. Ob und wie es wirkt, das kann die Expertenrunde deshalb noch nicht bewerten. Allein, dass es das Gesetz gibt, gilt als Wert an sich.

01-infografik-doping-fiebig

„Ich halte das Gesetz deshalb für wertvoll und wichtig, weil gerade in einer Phase, in der international völlig indiskutable Szenarien festzustellen sind – alles, was rund um Rio gelaufen ist – es natürlich wertvoll und wichtig ist zu sagen, wir als Deutsche gehen einen anderen Weg.“ Alfons Hörmann. Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes

Engere Zusammenarbeit mit Ermittlungsbehörden

In Rio gab es immer noch zu große Schlupflöcher, sagt ein aktueller Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), zu wenige Kontrollen, zu wenig geschultes Personal. Dazu kommen Interessenskonflikte in Verbänden. Anti-Doping-Kampf ist ein internationales Thema, nationale Gesetze und Initiativen können da womöglich nur ein Anstoß sein.

„Wir wollen den Druck auch erhöhen auf andere, die weniger machen oder gar nichts machen. Und das kann man nur aus einer Position der Stärke und mit einem klaren Bekenntnis gegen Doping.“ Andrea Gotzmann, Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti-Doping-Agentur

Die Nationale Anti-Doping-Agentur kann durch das Gesetz jetzt enger mit staatlichen Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten und erwartet bessere Erfolge. Für die Sportler könnte das strenge Gesetz allerdings auch erst mal ein Nachteil sein im Wettbewerb mit anderen.

„Aber kann das die Antwort sein, dass man sagt, nur weil die anderen dopen, dann müssen wir es unseren auch erlauben? Also ich glaube, das kann nicht der Weg sein. Insofern ist aus meiner Sicht die Strafgesetzgebung im Spitzensport im Bezug auf Doping alternativlos.“ Hajo Seppelt, ARD-Dopingexperte

Mehr Unterstützung, weniger Sensationslust

Wenn sich der sportbegeisterte Justizminister etwas wünschen dürfte, dann wäre es eine Anti-Doping-Resolution der Vereinten Nationen, mindestens aber mehr Konsequenz bei diesem Thema.

„Ich finde ja auch, dass die Vergabe von internationalen Wettbewerben, die Frage, ob es in dem Land, in den eine große Veranstaltung vergeben wird, ob es dort ein Anti-Doping-Gesetz gibt oder nicht, auch eine Größe sein müsste, die da entscheidungsrelevant ist.“ Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD)

Die deutschen Sportler hoffen auf breite Unterstützung, auch auf weniger Sensationslust, damit der Erfolgsdruck nicht noch größer werde. Und Doping niemals eine Alternative.

Das sagt die deutsche Olympia-Leichtathletin und Juristin Nadine Hildebrand zum Thema:

Das Video erscheint in Kürze.

Korrespondentin

Ulla Fiebig

Ulla Fiebig
Ehemalige TV-Korrespondentin

Der Bericht aus Berlin

ARD-Hauptstadtstudio

Zuletzt aktualisiert: 22.09.2019, 04:02:49