Warum immer wieder Frankreich?

Gepostet am 15.07.2016 um 18:54 Uhr

Charlie Hebdo, ein jüdischer Supermarkt, das Bataclan: Immer wieder verüben radikale Islamisten in Frankreich Anschläge. Auch die Morde von Nizza lassen laut Behörden einen solchen Hintergrund vermuten. Michael Götschenberg erklärt, warum immer wieder Frankreich Ziel ist.

Charlie Hebdo, ein jüdischer Supermarkt, das Bataclan: Immer wieder verüben radikale Islamisten in Frankreich Anschläge. Auch die Morde von Nizza lassen laut Behörden einen solchen Hintergrund vermuten. Michael Götschenberg erklärt, warum immer wieder Frankreich Ziel ist.

Immer wieder Frankreich. Mehr als jedes anderes Land in Europa ist Frankreich vor allem in den zurückliegenden anderthalb Jahren Schauplatz schwerer islamistischer Anschläge gewesen. Dieser neuerliche Anschlag kommt zu dem Zeitpunkt, als der französische Präsident eigentlich den Ausnahmezustand aufheben wollte – nun passiert das Gegenteil. Einmal mehr ist Frankreich nach den verheerenden Anschlägen des vergangenen Jahres auf das Satiremagazin Charlie Hebdo und in der französischen Innenstadt im vergangenen November erneut zum Schauplatz eines Anschlags mit zahlreichen Toten geworden. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Tausende gewaltbereite Islamisten

Die Rahmenbedingungen mit Blick auf die radikal-islamistische Szene sind deutlich andere als in Deutschland. So ist die Szene in Frankreich sehr groß, deutlich größer als in Deutschland und vor allem auch deutlich gewaltbereiter. In Frankreich werden mittlerweile über 8200 Islamisten als Gefährder eingestuft. Diese Zahl ist rasant gestiegen.

Vergleiche mit deutschen Zahlen hinken, da die Definition des Gefährderbegriffs eine andere ist. Dennoch zum Vergleich: Bei uns sind etwa 500 Personen als islamistische Gefährder eingestuft. Eine derart große Zahl von radikalen Islamisten im Visier zu haben, ist für die französischen Sicherheitsbehörden unmöglich.

Schlecht integriert, große Nähe zum IS

Zudem gibt es gesellschaftliche Rahmenbedingungen in Frankreich, die eine Rolle spielen. Zu Recht wird immer wieder festgestellt, dass die Muslime in Frankreich schlechter integriert sind. Die jungen Muslime in den Banlieues der französischen Großstädte haben häufig keinerlei Perspektive und identifizieren sich nicht mit dem französischen Staat. Die meisten von ihnen stammen aus den Ländern des Maghreb – und damit aus einer Region, in der Frankreich früher Kolonialmacht war.

Darüber hinaus handelt es sich um Länder, aus denen besonders viele radikalisierte Islamisten zum „Islamischen Staat“ aufgebrochen sind, allen voran Tunesien.

Dass dieser jüngste Anschlag sich in Nizza ereignete, mag mit der Tatsache zu tun haben, dass der Attentäter dort wohnte. Symbolträchtiger scheint die Wahl des Tages: am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag. So demonstriert der Anschlag die Ohnmacht des französischen Staates derartige Anschläge zu verhindern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Juli 2016 um 17:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20.08.2019, 20:20:29