Al-Bakr wollte sich offenbar freikaufen

Gepostet am 11.10.2016 um 08:45 Uhr

Deutschland ist nach Angaben des Generalbundesanwalts nur sehr knapp einem Terroranschlag entgangen. Gerade noch rechtzeitig sei der mutmaßliche Terrorist al-Bakr geschnappt werden. Kurz vor seiner Festnahme soll der Syrer noch versucht haben, sich freizukaufen. Von Martin Mair.

Deutschland ist nach Angaben des Generalbundesanwalts nur sehr knapp einem Terroranschlag entgangen. Gerade noch rechtzeitig sei der mutmaßliche Terrorist al-Bakr geschnappt werden. Kurz vor seiner Festnahme soll der Syrer noch versucht haben, sich freizukaufen.

Von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Er kam als Flüchtling: Jaber al-Bakr, ein 22-Jähriger Syrer. Bei so manchem dürfte sich ein ungutes Gefühl breit machen. Bringt uns die Flüchtlingswelle des vergangenen Jahres in Gefahr? Generalbundesanwalt Peter Frank kann die Sorgen verstehen, sagt in den tagesthemen aber klar: Die Terrorgefahr sei durch Flüchtlinge keineswegs gestiegen.

Al-Bakr war offenbar im Auftrag der Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) unterwegs. Sein ursprüngliches Anschlagsziel: ein Flughafen in Berlin. Spekuliert wurde darüber bereits am Wochenende – jetzt hat es der Präsident des Verfassungsschutzes bestätigt. Bereits seit Wochen gebe es Hinweise darauf, dass der IS ein Attentat auf die Verkehrsinfrastruktur plane, sagte Behördenchef Hans-Georg Maaßen.

Syrer nehmen Verdächtigen auf

Die Spur führte dann zu Al-Bakr nach Sachsen. Am Samstag sollte der Zugriff in Chemnitz erfolgen, doch der Terrorverdächtige konnte in letzter Minute entkommen. Seitdem wurde nach dem 22-Jährigen gefahndet, gestern wurde er schließlich gefasst.

Der entscheidende Hinweis kam von anderen Syrern. Al-Bakr hatte sie gefragt, ob er bei ihnen übernachten können. Sie stimmten zu. In ihrer Leipziger Wohnung sahen die Männer dann aber den Fahndungsaufruf und überwältigten den mutmaßlichen Terroristen. Der soll nach einem Bericht der “Bild”-Zeitung noch versucht haben, sich mit 1000 Euro und 200 Dollar freizukaufen. Doch die Männer lehnten ab.

Mit dem Foto zum Polizeirevier

Weil ihre Deutschkenntnisse nicht so gut gewesen seien, sei einer der Syrer mit einem Foto von Al-Bakr zu einem Polizeirevier gefahren, berichtet die Zeitung. Die Beamten hätten sofort reagiert und Spezialkräfte zur Wohnung geschickt, wo Al-Bakr festgenommen wurde. Offenbar gerade noch rechtzeitig, denn der Anschlag stand wohl unmittelbar bevor, so Generalbundesanwalt Frank.

Dass der Anschlag verhindert werden konnte, liegt nach Einschätzung des Generalbundesanwalts auch an der guten Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten. Politisch wird diese Aussage sehr unterschiedlich bewertet: Die Union macht sich bereits dafür stark, dass Verfassungsschutz und BND mehr Befugnisse bekommen – SPD, Grüne und Linke sind skeptisch. Doch die Diskussion ist da – wieder einmal nach einem vereitelten Terroranschlag.

IS wollte offenbar Verkehrsinfrastruktur angreifen
M. Mair, ARD Berlin
08:00:00 Uhr, 11.10.2016

Zuletzt aktualisiert: 16.07.2018, 16:36:19