Zukunftsprojekt oder neuer Flop?

Gepostet am 27.04.2018 um 04:52 Uhr

Einfacher, moderner, effektiver – beim deutsch-französischen Kampfjetprojekt FCAS sollen die Fehler vermieden werden, die beim Transportflugzeug A400M gemacht wurden. Noch sind jedoch viele Fragen ungeklärt.

Einfacher, moderner, effektiver – beim deutsch-französischen Kampfjetprojekt FCAS sollen die Fehler vermieden werden, die beim Transportflugzeug A400M gemacht wurden. Noch sind jedoch viele Fragen ungeklärt.

Von Marie von Mallinckrodt und Chrisoph Prössl, ARD-Hauptstadtstudio

Das nennt sich wohl europäisches, zumindest deutsch-französisches Selbstbewusstsein. In dem Symbolflieger für Pleiten, Pech und Pannen, dem Transportflugzeug A400M –  eskortiert von zwei  Eurofightern –  nähern sich die beiden Verteidigungsministerinnen, Ursula von der Leyen und die französische Amtskollegin Florence Parly, der Flugmesse ILA bei Berlin.

Am Boden ist bei der Industrie ein wenig Goldgräberstimmung: Parly und von der Leyen stellen sich demonstrativ gemeinsam vor ein Drohnenmodell, auch ein europäisches Zukunftsprojekt, schlendern vorbei an all den Hubschraubern, Transportflugzeugen und Radarstationen und unterzeichnen dann die Vereinbarung für die Entwicklung eines gemeinsamen Kampfflugzeugs.

Neuer Kampfjet für ganz Europa?

Es sollen die Verteidigung und Rüstung sein, die ein neues Narrativ für europäische Solidarität bieten. So zumindest klingt es an, wenn von der Leyen spricht: „Deutschland und Frankreich haben immer auch eine besondere Verantwortung für unsere Zukunft in einem gemeinsamen Europa übernommen. Wir wünschen uns ein freies, ein demokratisches, ein stabiles Europa – ein starkes Europa, das seine Menschen und seine Werte schützen kann.“ Eben auch mit einem gemeinsamen Kampfflugzeug.

Der Jet – Projektname Future Combat Air System, FCAS – soll 2040 fliegen und die deutschen Eurofighter und die französischen Rafale ablösen. Der europäische Konzern Airbus will mit dem französischen Unternehmen Dassault das Projekt gemeinsam stemmen, andere Länder sollen dazu kommen können.

Lehren aus dem A400M-Desaster

Wird da ein neues, unkalkulierbares Milliardengrab auf den Weg gebracht? Der A400M sei eine Lehre gewesen, so von der Leyen. Man habe Fehler gemacht und aus diesen Fehlern gelernt. Von der Leyen kündigte an, dass Frankreich die Federführung bei der Planung und dem Bau des Kampfflugzeugs übernehmen soll. Und es soll nur noch eine Version gebaut werden, nicht mehr wie früher bei anderen Rüstungsprojekten für jedes Land eine eigene Version, weil die Streitkräfte besondere Wünsche hatten.

Anforderungen noch ungeklärt

Der Airbus-Manager Dirk Hoke freut sich freilich über das milliardenschwere Projekt. Nun müssten erst einmal die Anforderungen der deutschen und französischen Armee formuliert werden.Das neue Flugzeug soll viel können: alleine fliegen zum Beispiel, oder aber gesteuert vom Piloten, so Hoke: „Plus das Einbinden von Drohnen-Schwärmen, die genutzt werden können für Aufklärung oder um entsprechende Ziele auszuschalten, wenn das erforderlich ist.“

Es sei ein System, das übergreifend verschiedene Systeme einbindet und so den Piloten entlastet durch das Nutzen neuer Methoden. Das Flugzeug könnte ferngesteuert werden oder gar selbständig Ziele bekämpfen. Bei der Planung geht es also auch darum, wie die Zukunft der Kriegsführung aussehen könnte und vor allem, was politisch gewollt wird.

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Viele Fragen weiter offen

Marcel Dickow von der Stiftung Wissenschaft und Politik meint, es sei noch offen, ob sich Deutschland und Frankreich tatsächlich auf gemeinsame militärische Anforderungen verständigen können und im Nachgang auch Wartung und Betrieb gemeinsam organisieren.

Nur so könnten Einspareffekte erzielt werden: „Genau an dieser strukturierten Kooperation nach einer gemeinsamen Entwicklung hat es bislang fast immer gefehlt“, erklärt Dickow. „Am Ende entscheidet die Politik über Vergabe und Erfolg dieses Rüstungsprojekts, und dafür sind bei weitem noch nicht alle Weichen konsequent gestellt.“

Was darf, was muss der FCAS-Jet können?

Der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen, Tobias Lindner, sieht das Projekt skeptisch: „Im ethischen und rechtlichen Bereich sind mehr Fragen offen als geklärt. Ich kann dem Ministerium nur raten, wenn man technisch was entwickelt, diese Fragen während der Entwicklung schon zu bearbeiten und auch zu sagen, wenn man etwas nicht machen will oder kann“.

Auch darüber werden die Nationen sich verständigen müssen. Die Vorstellungen könnten durchaus verschieden sein, denn in Deutschland sorgte alleine schon die Debatte um die Bewaffnung von Drohnen für erhebliche Diskussion. Solche Fragen könnten den gemeinsamen Traum vom Fliegen noch zum Flop werden lassen.

Mehr zu diesem Thema sehen Sie am Sonntag im Bericht aus Berlin um 18.30 Uhr im Ersten.

Zuletzt aktualisiert: 23.08.2019, 07:26:00