Welche Hilfe für die Bauern?

Gepostet am 31.07.2018 um 05:04 Uhr

Nach wochenlanger Dürre wollen sich Bund und Länder einen Eindruck über das Ausmaß der Schäden für die Bauern verschaffen. Debattiert wird, wie langfristig auf Klimaveränderungen reagiert werden soll. Von A. Müller.

Nach wochenlanger Dürre wollen sich Bund und Länder einen Eindruck über das Ausmaß der Schäden für die Bauern verschaffen. Debattiert wird, wie langfristig auf Klimaveränderungen reagiert werden soll.

Von Andrea Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Im Norden und Osten ist es besonders schlimm. Bauer Otto Rensch aus Sachsen-Anhalt weist auf sein Maisfeld. 80 Prozent der Ernte sei ausgefallen, erklärt er.

Der Präsident des Bauernverbandes, Joachim Rukwied, zeichnet das ganze Bild. Vom Futter bis zu den Nahrungsmittels gebe es Schäden in Milliardenhöhe, sagt er. “Allein beim Getreide gibt es einen Ausfall von 1,4 Milliarden Euro. Die Rüben, das Gemüse, die Kartoffeln – alles leidet. Der Mais ist nur 30 bis 40 Zentimeter hoch.”

Eine Milliarde Euro fordert Rukwied, um die Schäden auszugleichen. Doch eins ist klar: Vom Bund-Länder-Treffen im Landwirtschaftsministerium kann er keine Zusage erwarten. Ministeriumssprecherin Michaela Bürgelt nennt es ein reines Arbeitstreffen. Ziel sei ein erster Überblick über die Lage.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner zeigt sich besorgt über die Auswirkungen der Dürre, verweist aber seit Wochen auf den entscheidenden Termin Ende August. Dann werde sie den Erntebericht vorlegen, so die CDU-Politikerin. Schließlich gebe es auch Regionen, in denen es prima aussehe.

“Es ist Zeit, den Notstand auszurufen”

Zuständig für Finanzhilfen sind die Länder. Erst wenn Schäden von nationalem Ausmaß festgestellt werden, kann der Bund einspringen. Es sei deshalb Zeit, den Notstand auszurufen, fordert der Bauernverband.

Neben einem Ausgleich für die Ernteausfälle will Präsident Rukwied auch über Steuererleichterungen reden. Konkret geht es um eine Risikoausgleichsrücklage. “Das heißt, die Landwirte können in guten Jahren Rücklagen bilden und müssen nicht den kompletten Gewinn versteuern. Diese lösen sie dann in schlechten Jahren auf. So können sie ihre Liquidität besser steuern.”

Die SPD sieht Finanzspritzen für die Landwirte skeptisch. Umweltministerin Svenja Schulze setzt sich für eine andere Agrarpolitik ein. Die Bauern müssten nachhaltig wirtschaften, Natur- und Klimaschutz mitdenken und sich an die Folgen des Klimawandels anpassen. Dann, so Schulze im Interview mit dem “Redaktionsnetzwerk Deutschland”, wäre die Landwirtschaft krisenfester und damit auch ökonomisch robuster.

Dürre: Krisentreffen von Bund und Ländern
Andrea Müller, ARD Berlin
21:56:00 Uhr, 30.07.2018

Zuletzt aktualisiert: 17.11.2018, 12:26:41