Afrika-Politik: China schafft Fakten, Deutschland zaudert

Gepostet am 03.09.2018 um 12:03 Uhr

Auf dem afrikanischen Kontinent sind zehnmal so viele chinesische wie deutsche Firmen aktiv. Sabine Müller zeigt auf, wo Deutschland von China etwas lernen kann – und wo eine eigene Linie gefragt ist.

Wenn sich China und Afrika in Peking zum Gipfel treffen, dann schaut man aus Deutschland mit gemischten Gefühlen hin. Da ist einerseits durchaus Bewunderung, vielleicht sogar ein gewisser Neid, angesichts des atemberaubenden Tempos, mit dem chinesische Unternehmen in Afrika Geschäfte machen, während Deutschland hinterherhinkt.

Auf dem afrikanischen Kontinent sind zehnmal so viele chinesische wie deutsche Firmen aktiv. Andererseits ist es besorgniserregend zu sehen, wie China in Afrika eiskalt nicht nur wirtschaftliche, sondern auch geostrategische Interessen verfolgt, Militärkooperationen aufbaut und sich mit Milliardeninvestitionen und -Krediten Einfluss auf dem Kontinent sichert, indem es afrikanische Länder langfristig an sich bindet.

Ob Deutschland in diesem Wettbewerb überhaupt noch eine Chance hat oder längst viel zu weit abgeschlagen ist – diese Frage lässt sich erst beantworten, wenn Deutschland endlich ernsthaft in den Wettbewerb eintreten würde. Was nicht heißt, dass wir Chinas geradezu neokolonial-ausbeuterisches Auftreten einfach kopieren. Das will niemand in Deutschland und das ist auch richtig so. Es kann auch nicht darum gehen, sich wie China wenig darum zu scheren, ob ein afrikanisches Land eigentlich demokratisch regiert wird. Oder bei Projekten Umweltschutz und Arbeitsstandards zu Nebensächlichkeiten zu erklären.

Was Deutschland von China lernen kann

Aber was Deutschland von China lernen kann: Der Wille muss da sein und Worten müssen Taten folgen. Die deutsche Wirtschaft ist zu Recht enttäuscht, dass nach vielen Ankündigungen der Regierung und viel Gerede von Marshall-Plänen und dem „Chancen-Kontinent Afrika“ so wenig passierte. Vor allem mit Blick auf deutsche Mittelständler muss die Bundesregierung bei Risikoabsicherung und Finanzierung von Geschäften deutlich mehr tun.

Der erste Schritt ist mit verbesserten staatlichen Hermes-Bürgschaften gegangen und das zeigt schon positive Wirkung, diesen Weg muss die Regierung weitergehen. Kanzlerin Merkel hat bei ihrem Afrika-Besuch in der vergangenen Woche angedeutet, dass sie hier durchaus bereit ist, sich zu bewegen. Die Bundesregierung hat lange genug gezaudert – es wäre gut, wenn Deutschland schon zum Afrika-Gipfel im Kanzleramt Ende Oktober ein klares Signal sendete, ob es ernsthaft gewillt ist, den Chinesen etwas entgegenzusetzen.

Zuletzt aktualisiert: 20.11.2019, 03:37:41