Petry als anti-rechts – recht abwegig

Gepostet am 19.04.2017 um 20:59 Uhr

Frauke Petry gibt sich bürgerlich – ihre AfD soll schließlich eine breite Wählerschaft ansprechen und eine akzeptable Oppositionspartei sein. Doch beim Blick auf vergangene Äußerungen verliert Petrys Inszenierung schnell an Glaubwürdigkeit. Von Joachim Wendler.

Frauke Petry gibt sich bürgerlich – ihre AfD soll schließlich eine breite Wählerschaft ansprechen und eine akzeptable Oppositionspartei sein. Doch beim Blick auf vergangene Äußerungen verliert Petrys Inszenierung schnell an Glaubwürdigkeit.

Ein Kommentar von Joachim Wendler, ARD-Hauptstadtstudio

Frauke Petry geht auf volles Risiko. Sie zwingt ihre AfD zum Showdown: Ich oder die. Das ist falsch – aus mehreren Gründen.

Erstens mangelt es Petry an Glaubwürdigkeit, wenn sie sich als Gegnerin eines rechtsnationalen Kurses inszeniert, als Gegnerin “abseitiger Meinungen und Standpunkte”, als Gegnerin von Äußerungen, die bürgerliche Kräfte verschreckten. Petry ist nicht so bürgerlich, wie sie tut. Sie war es, die den Begriff “völkisch” neu definieren wollte. Er solle wieder positiv besetzt sein, verlangte sie im vergangenen Herbst.

Frauke Petry

Petry verzichtet auf Spitzenkandidatur

Die AfD-Chefin, Petry, hat kurz vor dem Parteitag in Köln nochmal Diskussionsstoff geliefert: Sie werde nicht für eine Spitzenkandidatur antreten, nicht allein, nicht im Team. Die AfD brauche endlich feste Strategien und nicht noch mehr Spekulationen. | mehr

Pegida-Nähe und Schießbefehl

Das war nichts anderes als ein Ruf nach einer “erinnerungspolitischen Wende”. Vielleicht nicht um 180 Grad, wie es der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke in seiner berüchtigten Schandmal-Rede forderte. Aber zurechtbiegen würde Petry die Erinnerungspolitik augenscheinlich gern, natürlich nach rechts.

Zweitens: Frauke Petry sympathisierte früher mit der Pegida-Bewegung. Sie lud in Sachsen Pegida-Demonstranten zum Gespräch ein. Auch das war eine Provokation der bürgerlich-konservativen Kräfte.

Und Drittens: Es ist nicht so lange her, da scheute die sächsische AfD, Petrys Landesverband, nicht die Nähe zur NPD: “Wir sind nicht das Sozialamt der Welt”, plakatierten einst die Rechtsextremen, die AfD schrieb später: “Wir sind nicht das Weltsozialamt”. Und schließlich der Schießbefehl an der Grenze: Notfalls müssten Flüchtlinge durch den Gebrauch der Schusswaffe gestoppt werden, sagte Petry in einem Zeitungsinterview 2015.

Verliert Petry eigenen Showdown?

All das hat nichts zu tun mit einer bürgerlichen Volkspartei AfD, die Petry vorgibt anzustreben. All das sind anti-bürgerliche Provokationen. Soweit die inhaltlichen Zweifel, dass Petry es ernst meint mit ihrer Alternative Realpolitik gegen Fundamentalopposition.

Auch machttaktisch ist der Showdown, den die Vorsitzende will, zweifelhaft. Ihr droht dasselbe Schicksal wie ihrem Vorgänger Bernd Lucke. Der hatte die Partei seinerzeit vor die Wahl gestellt: Ich oder die. Am Ende gewann Petry. Jetzt heißt es wieder: Ich oder die. Gut möglich, dass die AfD nicht Petry wählt, sondern die Alternative.

Frauke Petry auf Irrwegen
A. Wendler, ARD Berlin
20:36:00 Uhr, 19.04.2017

Zuletzt aktualisiert: 16.12.2017, 10:11:38