Der Parteitag der AfD in Augsburg hat gezeigt: Das Etikett der "Antisystempartei" klebt nicht mehr gut. Foto: imago/Eibner

AfD: Nur wenig übrig vom Anspruch der Protestpartei

Gepostet am 02.07.2018 um 15:05 Uhr

Ihr Etikett „Antisystempartei“ klebt nicht mehr gut, die AfD ist mitten drin im System: Sie bekommt Geld aus der Parteienfinanzierung und will nun auch eine parteinahe Stiftung. Ein Kommentar von Birgit Schmeitzner.

Schon paradox: Die AfD tritt an und verspricht, anders zu sein als Union, SPD und Co. Sie inszeniert sich als die neue Partei des Protestes, hat damit die Linken abgelöst. Und fährt gut damit, ein Wahlerfolg nach dem anderen. Doch dieses Etikett „Antisystempartei“ klebt nicht mehr gut. Und es kaschiert nur noch notdürftig, dass vom eigenen Anspruch nicht mehr viel übrig geblieben ist.


Bei Geld, Posten, Macht hört der Spaß auf

Die Partei ist mitten drin in dem von ihr so geschmähten System. Bekommt Geld aus der Parteienfinanzierung. AfD-Politiker sitzen in fast allen Landtagen und im Bundestag und verdienen da gutes Geld. Und jetzt auch noch die Entscheidung, sich eine parteinahe Stiftung zuzulegen, um damit in absehbarer Zeit Millionenbeträge für parteikonforme Bildungsprojekte einfordern zu können.

Von der Basis schallt es den Funktionären zwar entgegen, wir wollten doch gerade nicht an die Fleischtöpfe, wir verlieren doch unsere Glaubwürdigkeit! Doch bei Geld, Posten, Macht hört bekanntlich der Spaß auf. Die Mehrheit der Delegierten auf dem Parteitag folgte dann doch dem Argument der „Chancengleichheit“, auch wenn das nur ein weiteres schlecht klebendes Etikett ist.

Das Geschäftsmodell “Deutschland schlechtreden” funktioniert

Dazu kommt, dass die AfD auch inhaltlich ziemlich dünne Bretter bohrt. Mit dem Thema Flüchtlinge kann sie nach wie vor punkten. Aber es wird zunehmend schwieriger, die fehlenden Konzepte für Probleme des Alltags zu übertünchen. Was tun gegen Altersarmut, für eine würdige Pflege, für bezahlbare Wohnungen, wie könnte man Alleinerziehende vom Rand der Gesellschaft holen? An den Infoständen, regt sich ein Delegierter auf, werde er immer wieder dazu gefragt und stehe dann blank da. Und ruft Richtung Bundesvorstand, das liege daran, dass die Sesselfurzer es nicht gebacken kriegen.

Aber wozu auch. Das Geschäftsmodell, die Lage in Deutschland schlecht zu reden und sich als rettende Alternative anzupreisen, funktioniert. Die Umfragewerte sind stabil. Und dass sich die Union gerade medienwirksam zerfleischt, sorgt geradezu für Übermut in der AfD. Vorstandsmitglieder prosten sich auf dem Heimweg vom Parteitag zu und twittern ein Prosit auf den zukünftigen Ex-Bundesinnenminister Seehofer, versehen mit einem Fragezeichen. Sie hoffen, dass sich CDU und CSU selbst klein machen und die AfD größer wird. Das erklärte Ziel: Systemrelevant sein.

Zuletzt aktualisiert: 22.08.2018, 01:07:56