Ein knappes Rennen erwartet

Gepostet am 01.12.2018 um 18:56 Uhr

Acht Regionalkonferenzen, 14.000 Parteimitglieder – und drei Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz. Die Entscheidung fällt auf dem Parteitag. Es sieht nach einem knappen Rennen aus. Von Kirsten Girschick.

Acht Regionalkonferenzen, 14.000 Parteimitglieder – und drei Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz. Die Entscheidung fällt auf dem Parteitag. Es sieht nach einem knappen Rennen aus.

Von Kirsten Girschick, ARD-Hauptstadtstudio

Fast 14.000 Menschen haben die drei nominierten Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz live gesehen. Noch nie hat die Partei so viele Mitglieder erreicht. Allein das finden viele in der CDU gut.

“Gut, dass es eine Auswahl gibt”, und “Gut, dass man die Kandidaten auch live befragen kann” – das war auf jeder Regionalkonferenz der Tenor der Basis. Es sei doch schön, dass man drei so geeignete Kandidaten habe – und alle drei müssten in der Partei unbedingt auf Dauer eine Rolle spielen.

Ein weltläufiger Merz

Ginge es allein nach der Länge des Applauses, dann müsste man Friedrich Merz die größten Chancen auf dem Parteitag einräumen. Beim Saalpublikum punktet er rhetorisch: beim Ruf nach Recht und Ordnung, beim Angriff auf den politischen Gegner, bei Kritik an der CDU der vergangenen Jahre.

Wenn Merz große Linien in der Außenpolitik zieht, wirkt es weltläufiger als bei den anderen Kandidaten. Merz bedient die Sehnsucht nach Führung. Seine ganze Attitüde will sagen: Hier steht einer, der Kanzler kann.

AKK – die Frau für Detailfragen

Annegret Kramp-Karrenbauer hält nüchtern dagegen: Hier steht eine, die schon regiert hat. Hier steht eine, die Wahlkämpfe gewinnen kann. Sie spricht eher die Seele der Partei an, den Wunsch der Mitglieder, gehört und eingebunden zu werden.

Kramp-Karrenbauers Stärke liegt im Detail. Bei den Fragerunden ist sie diejenige, die auf fast alles klare Antworten hat. Wo Friedrich Merz etwa fordert, man dürfe nicht zulassen, dass Clans ganze Straßenzüge beherrschten, führt Kramp Karrenbauer aus, wie sie mit verdeckten Ermittlungsmöglichkeiten und Repression auf der Straße Clan-Kriminalität bekämpfen will.

Überraschung Jens Spahn

Jens Spahn hat im Laufe der Konferenzen an Zustimmung gewonnen, immer wieder hört man den Satz: “Ich bin positiv überrascht von Jens Spahn”, gefolgt von “aber für ihn ist es noch zu früh”. Jens Spahn dürfte das selber anders sehen. Schließlich findet er, dass die CDU ein Problem hat, wenn er mit 38 Jahren noch als Jungspund gilt. Auch wenn er kaum eine Chance hat: Er hat sich mit dem Festhalten an der Kandidatur als Mann der Zukunft empfohlen.

Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn bei der Regionalkonferenz in Böblingen.

Die Bewerbungstour hat sich gelohnt

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Wie die 1001 Delegierten des Parteitags entscheiden, lässt sich aus den Regionalkonferenzen nicht ableiten. Es sieht alles nach einem knappen Rennen aus. Und da könnte die Rede der Kandidaten auf dem Parteitag noch den entschiedenen Ausschlag geben.

Spaltung vermeiden

Nur einer kann gewinnen. Aber keiner dürfe die Partei spalten, mahnte gestern Annegret Kramp-Karrenbauer: “Es ist die höchstpersönliche Verantwortung von jeder Kandidatin und jedem Kandidaten, dafür zu sorgen, dass die, die ihn unterstützt haben oder sie unterstützt haben, danach weiter bei dieser Partei bleiben.”

Gerade einem Kandidaten könnte das aber schwer fallen, glauben manche in der Partei. Friedrich Merz sei ihm bislang nicht als integrativer Teamplayer beschrieben worden, erklärt etwa Thomas Heilmann, CDU-ABundestagsabgeordneter aus Berlin. Die enttäuschten Anhänger einbinden und versöhnen, das wird die wichtigste Aufgabe nach dem Parteitag werden. Für alle drei.

Dieses und weitere Themen sehen sie am Sonntag um 18.30 Uhr im Bericht aus Berlin.

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2018, 21:54:45