Abgezockt wegen Brüsten und langer Haare

Gepostet am 20.12.2017 um 16:52 Uhr

Eine neue Studie zeigt: Frauen verdienen nicht nur weniger als Männer, sie bezahlen auch noch mehr. In ungefähr 89 Prozent der Fälle müssen Frauen draufzahlen. Das geht nicht, findet Marilena Dahlmann.

Ich hatte mal kurze Haare, Undercut, der Nacken ausrasiert, oben etwas länger – das tragen auch Männer oft so. Der Preis: ca. 50 Euro. Ein Freund hatte den gleichen Schnitt. Er bezahlte 20 Euro. Begründen lässt sich dieser Preisunterschied nicht, er ist schlicht unfair.

Die Studie „Preisdifferenzierungen nach Geschlecht in Deutschland“ von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat mehrere Stichproben zu dem Thema untersucht: In ungefähr 89 Prozent der Fälle müssen Frauen drauf zahlen. Das Problem liegt vor allem bei Dienstleistungen, beispielsweise beim Friseur. Das wundert mich nicht.

Frauen zahlen mehr als Männer

Während Frauen mit kurzen oder mittellangen Haaren für Waschen, Schneiden, Föhnen durchschnittlich etwa 45 Euro zahlen, liegen die Preise für Männer bei 22 Euro – im gleichen Geschäft. Das ist ein Preisaufschlag von 102 Prozent. Ein weiteres Beispiel gibt es in der Reinigung: Blusen sind in 32 Prozent der untersuchten Geschäfte pauschal teurer als Hemden.

Dass Frauen mehr zahlen müssen als Männer, verstößt übrigens gegen das Diskriminierungsverbot, Artikel 14 der europäischen Menschenrechtskonvention. Neben Herkunft, Hautfarbe und politischer Anschauung darf auch das Geschlecht nicht diskriminiert werden. Wenn ich also zum Friseur oder zur Reinigung gehe, dann möchte ich als Frau auch das bezahlen, was Mann zahlt.

Wenn dann auch noch die Tatsache dazu kommt, dass ich als Frau im Schnitt weniger Geld verdiene als Männer, dann wird es heikel. Der „Gender Pay Gap“ lag 2016 bei 21 Prozent. Eine Doppelbenachteiligung, das geht nicht. Das ist Abzocke, nur weil ich Brüste und längere Haare habe.

Stärker auf Preisunterschiede achten

Allerdings sei auch erwähnt, dass laut Studie auch 1,4 Prozent der Männer für geschlechtsspezifische Produkte mehr zahlen. Im Vergleich zu den 89 Prozent der Frauen ist das allerdings verschwindend wenig.

Es ist laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) unzulässig, unterschiedliche Preise nach Geschlecht abzuschöpfen. Vermutlich wäre aber der Aufwand einer Klage teurer als der entstehende Schaden für die Dienstleistungsstelle.

Wir müssen also die Augen aufmachen und stärker auf geschlechterspezifische Preisunterschiede achten. Wir – das sind Frauen und Männer. Das wäre schon einmal ein wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung.

Zuletzt aktualisiert: 23.09.2018, 06:45:57