Sigmar Gabriel, der talentierte Egomane

Gepostet am 08.03.2018 um 16:23 Uhr

Nicht beleidigt sein – Sigmar Gabriel hat sich mit seinen Egotrips selbst aus allen Ämtern gedrängt. Andrea Müller kommentiert den Abgang des Außenministers und ehemaligen SPD-Parteivorsitzenden.

Was für eine Rede, was für ein Redner: Nach einer historischen Wahlniederlage übernahm Sigmar Gabriel 2009 die SPD von Franz Müntefering. Knapp zwei Stunden redete er der Partei ins Gewissen, riss die Genossen in Dresden mit, rührte sie zu Tränen.
Was nach Aufbruch klang, endete in einer Achterbahnfahrt. Egotrips statt Dialog, statt klarem Profil ein Zickzack-Kurs – mal nach links, dann wieder Richtung Mitte. Und da wo es brodelt, riecht und stinkt – da bekommt die SPD bis heute keinen Fuß auf den Boden.

Die Quittung für’s Gepoltere

Gabriel konnte genial sein und charmant – aber auch polternd, launisch und unbeherrscht. Olaf Scholz und Andrea Nahles stehen auf seiner Verletztenliste. Jetzt bekommt er die Quittung. Den Wählerinnen und Wählern blieb all das nicht verborgen – Sigmar Gabriel stand phasenweise ganz unten auf der Beliebtheitsskala.
Das Amt des Außenministers hat ihn für kurze Zeit aus dem Umfragekeller gehievt. In der SPD war er da aber längst bei vielen unten durch. Dass Gabriel seine Tochter Marie benutzt hat, um Martin Schulz noch einen mit zu geben – das hat ihm den Rest gegeben.

Gabriel hat sich selbst aus dem Amt gedrängt

Sigmar Gabriel hat sich disqualifiziert. Erschreckend unbeherrscht für den Top-Diplomaten im Kabinett und kaum vertrauenswürdig für eine SPD, die sich unter Schmerzen in eine neue GroKo begibt. Probleme, die der SPD mit Heiko Maas, sollte er tatsächlich ins Außenministerium wechseln, höchstwahrscheinlich erspart bleiben. Konsensorientiert, engagiert, mit einer klaren Haltung hat er sich als Kabinettsneuling im Justizministerium präsentiert. In der aufgeregten GroKo-Debatte der SPD blieb Maas auffallend ruhig.

Die SPD braucht Verlässlichkeit in diesem wichtigen Ministerium. Mit Sigmar Gabriel wäre die nicht zu haben gewesen. Nein, es waren nicht andere, die Sigmar Gabriel aus dem Amt gedrängt haben – dieser Abgang mit 58 Jahren geht allein mit ihm nach Hause. Schade um das große Talent. Aber sorry – das ging nicht anders.

Zuletzt aktualisiert: 10.12.2018, 00:40:28