Vorsicht Abgerglaube! Die Abgeordneten in Berlin gehen jeden Tag sogar unter zwei Leitern durch. Foto: imago/bonn-sequenz Grüner -Mann auf der Leiter- des Künstlers Neo Rauch am Paul-Löbe-Haus im Berliner Regierungsviertel.

Aberglaube in der Politik: wahrlich übernatürlich

Gepostet am 11.01.2019 um 15:24 Uhr

Aus Rücksicht auf Abergläubige will das Arbeitsministerium Medienberichten zufolge von Sozialgesetzbuch 12 auf 14 springen. Warum auch nicht? Etwas mehr Aberglaube könnte der Politik guttun, glossiert Sabine Müller.

Man könnte ja glatt glauben, im Arbeits- und Sozialministerium seien sie heute alle mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden – so mies, wie der Tag gestartet ist. Kollektiver Triskaidekaphobie-Verdacht – der medizinische Fachausdruck für die krankhafte Angst vor der Zahl 13 klingt schon so furchtbar.

Kein Wunder, dass sich das Ministerium gegen den Eindruck wehrt, dass die Gesetzgebungszahl 13 aus reinem Aberglauben vermieden wird. Welcher Politiker will schon so irrational rüberkommen? Dabei könnte Vieles in der Politik besser laufen, wenn sich unsere Politiker einem gesunden Aberglauben nur etwas mehr öffneten. Hätte Friedrich Merz mal darauf geachtet, dass die schwarze AK-Katze seinen Weg von links nach rechts kreuzte – er hätte sich die Bewerbung um den CDU-Parteivorsitz sparen können, hätte gleich gewusst, dass das nichts werden kann.

Oder die SPD: Zwölf Kanzlerkandidaten hatte sie bisher. Wenn sie den 13. für die nächste Wahl einfach auslassen würde, könnte sich die geschundene Partei weitere Debatten darüber ersparen, ob man sich bei Umfragewerten von 15 Prozent nicht lächerlich macht, wenn man überhaupt einen Kanzlerkandidaten aufstellt. Olaf Scholz würde vielleicht anders rechnen: Die SPD habe doch eigentlich schon 13 Kandidaten gehabt. Der 12. war Sigmar Gabriel, tausendmal genannt, niemals angetreten. Martin Schulz wäre dann der 13. gewesen – eine durchaus schlüssige Erklärung für seine desolate Vorstellung.

Also, Augen auf, Warnzeichen rechtzeitig erkennen! Was aber kaum jemand tut. In einem der größten Bundestagsgebäude laufen Heerscharen von Politikern jeden Tag nicht nur unter einer, sondern unter gleich zwei aufgestellten Leitern durch – den grünen Männern auf ihren Leitern des Künstlers Neo Rauch. Hier könnten die Gründen für so manche verunglückte politische Entscheidung liegen. Nicht auszudenken, wie fabelhaft wir ohne diese Leitern regiert werden könnten.

Zuletzt aktualisiert: 17.01.2019, 06:08:24