Gewinn oder Gefahr?

Gepostet am 03.12.2019 um 02:01 Uhr

Die Schweiz ist Vorreiter beim Mobilfunkstandard 5G. Während Mobilfunkanbieter einen schnellen Netzausbau forcieren, warnen Gegner vor ungeklärten Gesundheitsgefahren – etwa Hirnstromveränderungen. Von M. Zahn.

Die Schweiz ist Vorreiter beim Mobilfunkstandard 5G. Während Mobilfunkanbieter einen schnellen Netzausbau forcieren, warnen Gegner vor ungeklärten Gesundheitsgefahren – etwa Hirnstromveränderungen.

Von Mathias Zahn, ARD-Studio Zürich

Macht Mobilfunk krank? Auf diese Frage liefert der Bericht der Regierung in der Schweiz keine eindeutige Antwort. Die Kommission hatte Studien aus den vergangenen Jahren ausgewertet. Ergebnis: Gesundheitsgefahren sind bisher nicht eindeutig nachgewiesen. Sie lassen sich aber auch nicht mit letzter Sicherheit ausschließen.

Für ausreichend belegt halten die Experten nur, dass sich durch Mobilfunkstrahlung die Hirnströme verändern können. Bei Risiken wie Krebs halten die Experten die Studienlage für unsicher bis fraglich. Umweltwissenschaftler Professor Martin Röösli sieht auf jeden Fall noch Forschungsbedarf. Zum Beispiel, wenn 5G in Zukunft erweitert werden sollte um höhere Frequenzen. Wissenschaftliche Daten sind wichtig, sagt Röösli. Schon heute fehlten in der Diskussion oft die Fakten.

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Ein Streitpunkt: Grenzwerte für die Strahlung

Auch die Kommission schlägt vor, mehr zu forschen. Nicht einig wurde sie sich bei den Grenzwerten für die Strahlung. Was nicht überrascht. Denn in der Kommission saßen zum Beispiel Ärzte, die 5G skeptisch sehen, aber auch die Netzbetreiber.

Die Mobilfunkfirmen werben und wollen mit 5G Geld verdienen. Sie wollen das Netz möglichst schnell ausbauen und fordern deshalb, die Strahlengrenzwerte zu lockern. Denn: Wenn die Antennen stärker strahlen, werden weniger neue Anlagen gebraucht. Bleibt es bei den Grenzwerten, wären 26.000 zusätzliche Antennenstandorte nötig, um die Schweiz flächendeckend zu versorgen. Die Mobilfunkbranche warnt: Der 5G-Ausbau würde dann viele Milliarden mehr kosten und sich um Jahrzehnte verzögern.

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Gesundheitsgefahr bisher nicht nachgewiesen

Den Mobilfunkfirmen kommt es da gelegen, dass eine Gesundheitsgefahr bisher nicht nachgewiesen wurde. Dagegen warnt Edith Steiner von den Ärzten für Umweltschutz davor, die Grenzwerte zu lockern. Sie fordert sogar verschärfte Vorschriften. Bei 5G sollen auch sogenannte adaptive Antennen zum Einsatz kommen. Diese fokussieren das Sendesignal. Wie ein Strahl wird das Signal direkt auf den Nutzer ausgerichtet. Ärztin Edith Steiner hält es für unklar, wie sich diese Antennen auf die Gesundheit auswirken.

Grenzwerte lockern oder verschärfen? Umweltministerin Simonetta Sommaruga steht vor einer heiklen Entscheidung. Denn 5G spaltet die Schweiz. Die Gegner sind gut organisiert. Sie blockieren Hunderte Bauanträge für neue Mobilfunkmasten mit Einsprüchen und sammeln Unterschriften für eine Volksabstimmung. Egal, wie die Regierung entscheidet, der Streit dürfte weiter gehen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Dezember 2019 um 05:50 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 15.12.2019, 01:48:08