Apps und Sirenen im Katastrophenfall

Gepostet am 04.08.2016 um 15:21 Uhr

Der Kalte Krieg ist lange vorbei, statt Sirenen warnen im Katastrophenfall heute Apps wie KATWARN und NINA. Die Regierung überarbeitet aber die letztmals 1995 erneuerte Zivilschutzstrategie – Sirenen könnten reaktiviert werden. Von R. Lautenbach.

Der Kalte Krieg ist lange vorbei, statt Sirenen warnen im Katastrophenfall heute Apps wie KATWARN und NINA. Die Regierung überarbeitet aber die letztmals 1995 erneuerte Zivilschutzstrategie – Sirenen könnten reaktiviert werden.

Von Robin Lautenbach, ARD-Hauptstadtstudio

Es war eine Premiere: Beim Münchner Amoklauf forderte die Stadt die Bürger auf, zu Hause zu bleiben. Verbreitet wurde diese Warnung per App: über KATWARN – ein Warnsystem, das jeder kostenlos auf das Smartphone laden kann. In München wurde es erstmals in einer mutmaßlichen Terrorsituation eingesetzt.

KATWARN ist von einem Frauenhofer-Institut entwickelt worden, im Auftrag der öffentlichen Versicherungswirtschaft. Städte und Landkreise können das System kaufen. Es dient also vor allem der lokalen Warnung – üblicherweise bei Großbränden, Bombenfunden oder Chemieunfällen.

Die amtlichen Warn-App heißt NINA

Ganz ähnlich funktioniert NINA, kurz für “Notfall-Informations- und Nachrichten-App”. NINA ist gwissermaßen die amtliche Warn-App: Es ist Teil des “modularen Warnsystems des Bundes” (MoWas), das vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe betrieben wird. Auch Lagezentren der Bundesländer und lokale Feuerwehr- und Rettungsleitstellen können es für eigene Warnungen nutzen. Wie bei KATWARN gehören bei NINA zu Katastrophenwarnungen auch Warnungen vor Hochwasser oder Unwettern. Auch NINA ist für den Nutzer kostenlos.

NINA ist aber auch Teil des allgemeinen Zivilschutzes. Hier geht es vor allem um die Warnung der Bevölkerung im Kriegs- oder Spannungsfall.  In einem solchen Fall hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz neben der NINA-App gesetzlich noch ganz andere Zugriffsrechte: Es kann die Verbreitung amtlicher Warnungen über Rundfunk- und Fernsehsender anordnen. 

Regierung überarbeitet Zivilschutzstrategie

Die Bundesregierung überarbeitet im Moment ihre gesamte Zivilschutz-Strategie. Denn die Grundsätze der zivilen Verteidigung wurden letztmals 1995 festgelegt. Damals gab es noch keine IT-Strukturen, die durch Cyberangriffe lahmgelegt werden können und auch keine militärischen Aktionen Russlands gegen die Ukraine. Auch die Auswirkungen des Klimawandels waren weniger sichtbar.

Bei dieser Überarbeitung der Zivilschutzstrategie geht es nicht um die aktuellen Terrorbedrohungen, erläutert das Bundesinnenministerium. Vielmehr stünde die Bedrohung von außen im Vordergrund: Wie ist die Bevölkerung zu schützen gegen atomare, biologische oder chemische Waffen? Wie können im Verteidigungsfall Verkehr und Energienetze geschützt werden? Wie wird die Bargeldversorgung sichergestellt?  Wie wird das Technische Hilfswerk eingesetzt?

Spannungen mit Russland

An solche Fragen sind viele seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr gewöhnt. Angesichts der Spannungen mit Russland sind diese Fragen jetzt wieder aktueller, was natürlich von offizieller Seite an keiner Stelle mit Namen genannt wird. Auch Überschneidungen zu Terrorsituationen sind natürlich denkbar: Wenn Terroristen zum Beispiel sogenannte schmutzige Atombomben einsetzten oder Trinkwasserreservoirs vergifteten, wären die Strukturen der Zivilverteidigung gefragt. Nicht zuletzt, um die Bevölkerung zu warnen und mit glaubwürdigen informationen zu versorgen.

Sirenen wecken auch Schlafende

Apropos Warnung: Früher gab es flächendeckend die Möglichkeit, die Menschen mit lautem Sirenengeheul zu warnen. Wer sich daran erinnert, der weiß: Die regelmäßigen Probealarme gingen durch Mark und Bein. In den 1990er-Jahren wurde der Sirenenbestand aber beinahe überall abgebaut. Inzwischen überlegt zumindest Bayern, die Sirenen wieder zu aktivieren. Denn: Sie wecken auch Schlafende. Und wer so geweckt wird, kann dann seine NINA- oder KATWARN–App kontrollieren oder auch Radio und Fernsehen einschalten, um weitere Informationen zu bekommen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. August 2016 um 12:00 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2017, 01:18:39