Hendricks auf Ideensuche

Gepostet am 26.08.2016 um 16:20 Uhr

Günstige Wohnungen müssen her, vor allem in den Ballungsräumen: Der Bund hat daher die Zuschüsse für den sozialen Wohnungsbau in den letzten Jahren vervierfacht. Auf ihrer Sommertour in Berlin sucht Bauministerin Hendricks neue Ideen. Von Alex Krämer.

Günstige Wohnungen müssen her, vor allem in den Ballungsräumen: Der Bund hat daher die Zuschüsse für den sozialen Wohnungsbau in den letzten Jahren vervierfacht. Auf ihrer Sommertour in Berlin sucht Bauministerin Hendricks neue Ideen.

Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio

Beim Weg in die Zukunft hilft manchmal der Blick in die Vergangenheit: Barbara Hendricks steht am Schillerpark in Berlin Wedding – gebaut in den 1920er-Jahren als Siedlung für Leute mit wenig Geld. Backstein, große grüne Innenhöfe. “Wenn man sich überlegt, wie viele Wohnungen in Berlin zwischen 1920 und 1932 gebaut worden sind, dann müsste man eigentlich erkennen, dass es ja doch möglich ist. Und die haben heute noch eine hohe Wohnqualität”, sagt sie.

Leben mit dem Standard der 1920er-Jahre

Den Standard, den der Architekt Bruno Taut hier vor gut 80 Jahren setzte, hat sich Architektin Donatella Fioretti zum Vorbild genommen. “Leute wohnen in diesen Wohnungen seit mehreren Generationen und übergeben sie an die nächste Generation. Das ist wirklich eine enorme Qualität. Das Thema kostengünstige Standardisierung ist nicht widersprüchlich zu anspruchsvoller Architektur.” Das wolle sie auch hinbekommen.

Die Genossenschaft, die in den Zwanzigern baute, gibt es immer noch, für sie hat Fioretti im vergangenen Jahr nebenan ein weiteres Haus errichtet. 74 Wohnungen, alle mit Balkonen zum grünen Hof, hinter einer eleganten, zurückhaltenden Fassade. Axel Fäßler wohnt im vierten Stock, sehr schön auf knapp 100 hellen Quadratmetern, große Holzfenster, Dielenboden, zwei Bäder. Miete: 9,50 pro Quadratmeter. “Für Berliner Verhältnisse ist das sensationell. Neubau-Erstbezug für 9,50 Euro brutto Kaltmiete kriegen sie in Berlin sonst nirgendwo” – und schon gar nicht mit der Ausstattung, sagt Fäßler.

Hochwertiges Wohnen für wenig Geld

Barbara Hendricks kommt dazu, nickt zufrieden. “Darum geht es ja. Ich bin wirklich davon überzeugt, dass man auch qualitativ hochwertige Wohnungen für unter 2000 Euro pro Quadratmeter errichten kann.” Hier waren es gut 1600 Euro. Architektin Fioretti hat nicht zu viele verschiedene Bauteile verwendet, die aber immer wieder neu kombiniert. Obwohl die Wohnungen ganz unterschiedlich sind, gibt es zum Beispiel nur zwei Fenster-Typen. Günstig bauen mache mehr Arbeit, sagt Fioretti – beim Nachdenken.

Sparen lässt sich nicht nur bei den Baukosten. Ein paar Kilometer weiter: Vierstöckige Plattenbauten aus den 1960er-Jahren. Die landeseigene Berliner Wohnungsbaugesellschaft WBM will sie aufstocken – statt 450 Wohnungen soll es in dem Quartier künftig rund 700 geben. Günstig werde das vor allem aus einem Grund, sagt Jan Kowalewski, Technikvorstand der WBM. “Wir müssen kein Grundstück kaufen, was in Berlin zum Teil pro Quadratmeter Wohnfläche auch schon um die 1000 Euro liegt.” Die müssen bei der Aufstockung dann nicht auf den Mietpreis umgelegt werden.

Hendricks will noch was anschieben

Die Möglichkeiten auf den Dächern sollten noch stärker genutzt werden, wirbt die Bauministerin. Hendricks will in nächster Zeit auch noch was anschieben – genau überprüfen, welche neuen Vorschriften fürs Energiesparen noch Sinn ergeben. “Wir werden nicht einfach wie in den Jahren zuvor immer weiter dickere Wände verlangen”, sagt sie. Denn über die immer strengeren Regeln für den Energieverbrauch beklagen sich viele, die versuchen, kostengünstig zu bauen.

Auf der Suche nach dem Weg zu günstigen Wohnungen
A. Krämer, ARD Berlin
15:27:00 Uhr, 26.08.2016

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. August 2016 um 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2017, 06:57:39