Weltfrauentag in der Politik: „Eine Männerquote brauchen wir nicht.“

Gepostet am 08.03.2017 um 18:25 Uhr

Hohe Ämter bekommen Frauen in Deutschland durchaus. Der Blick in die Statistiken aber zeigt: Eine Gleichstellung ist noch längst nicht erreicht. In Berlin machen Grünen-Politikerinnen jetzt eine echte Kampfansage.

Auch wenn mit Angela Merkel eine Frau im Bundeskabinett sagt, wo es lang geht: Am Kabinettstisch sitzen mehr Männer (9) als Frauen (7). Das entspricht einem Frauenanteil von 43,75 Prozent. Im Bundestag ist die Zahl deutlich niedriger (36,8%). Rund ein Drittel aller Abgeordneten im Bundestag sind Frauen (36,8 Prozent).

Dass es nicht mehr sind, liegt, genau wie im Kabinett, an CDU und CSU. Mit gerade einem Frauenanteil von 25,57 Prozent drückt die mit Abstand größte Fraktion der Union den Schnitt erheblich. In der SPD-Fraktion ist der Frauenanteil mit 44 Prozent deutlich höher, Bündnis 90 / Die Grünen (53,97 Prozent) und Linke (54,68) haben den mit Abstand höchsten Frauenanteil.

Beide Oppositionsparteien haben in den Statuten eine Frauenquote von mindestens 50 Prozent festgeschrieben. Es dürfen aber auch gerne mehr sein, sagt Grünen Chefin Simone Peter dem Hauptstadtstudio-Blog am Weltfrauentag: „Wir setzen uns seit unseren Gründungszeiten für die Gleichstellung von Männern und Frauen ein, das schließt die Frage der Teilung von Macht und Mandaten mit ein.“

Im Berliner Landesverband der Grünen könnte es bei der Aufstellung für die kommende Bundestagswahl sogar dazu kommen, dass die Grünen mit einer reinen Frauenliste, also 100 Prozent Frauenquote antreten. Zum Weltfrauentag zeigen sich die Grünen Berliner Landesfrauen auf einem Foto selbstbewusst mit rosa „Pussyhats“ vor einem Plakat „Männer haben Denkmäler, Frauen haben Zukunft.“

Eine echte Kampfansage

Eine echte Kampfansage, denn damit Bettina Jarasch, Lisa Paus und Renate Künast gemeinsam im Bundestag Platz nehmen könnten, müssten sie den MdB Öczan Mutlu vom Sockel stoßen. Und genau dazu hat sich das Trio auch verabredet. Bettina Jarasch und Lisa Paus treten gegeneinander für den ersten Listenplatz an, der Verlierer will Listenplatz 2 erobern.

Der Frauenlistenplatz 3 ist für Renate Künast reserviert, so die Verabredung. Verlierer wäre Öczan Mutlu, der bisher über den offenen Listenplatz 2 in den Bundestag einzog. Mit Mitleid darf er nicht rechnen: „Ich trete an und bin überzeugt, dass ich als überzeugte Feministin und Europäerin eine gute inhaltliche Ergänzung bin“ meint Lisa Paus nüchtern. Öczan will sich hierzu nicht öffentlich äußern, hat aber angekündigt, gegen die „Grünen Pussyhats“ um seinen Wiedereinzug zu kämpfen. Das Rennen gilt als offen.

Ströbele muss lachen

Hans-Christian Ströbele, der in den letzten Jahren als direkt gewählter Abgeordneter ohne Listenplatz in den Bundestag einzog und nicht mehr antritt, muss auf die Frauenliste angesprochen lachen: „Solche demonstrativen Akte sind den Grünen ähnlich. Das ehrt die Grünen, dass sie manchmal solche Zeichen setzen.“ Sein Wahlkreis wird mit Canan Bayram vermutlich ebenfalls von einer Frau übernommen, auch sie, wird spekuliert, könnte sie sich noch einen Listenplatz bewerben.

Rechtlich möglich wäre eine reine Frauenliste ohne weiteres. „Wir haben die Möglichkeit hierzu, trotzdem sind Frauenlisten nicht unser Punkt“, fasst die Bundesvorsitzende Peter die Situation zusammen. Am Ende entscheiden alleine die Berliner Delegierten und: „In der Regel sind unsere Listen paritätisch besetzt.“ Egal, wie sich die Berliner Grünen am Ende entscheiden: Um die Zukunft der Männer in der Partei macht sich Peter keine Sorgen: „Eine Männerquote brauchen wir nicht.“

Zuletzt aktualisiert: 26.03.2017, 15:03:55