Und dann war Weidel weg

Gepostet am 06.09.2017 um 09:00 Uhr

Die AfD-Spitzenkandidatin Weidel hat eine ZDF-Wahlsendung während eines Schlagabtauschs mit CSU-Generalsekretär Scheuer vorzeitig verlassen. Es gibt Vermutungen, dass sie den Abgang geplant hat. Von Alex Krämer.

Die AfD-Spitzenkandidatin Weidel hat eine ZDF-Wahlsendung während eines Schlagabtauschs mit CSU-Generalsekretär Scheuer vorzeitig verlassen. Es gibt Vermutungen, dass sie den Abgang geplant hat.

Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Passiert ist folgendes: Alice Weidel, die Spitzenkandidatin der AfD, diskutiert in der ZDF-Sendung “Wie geht’s, Deutschland?” mit CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer. Es ist ein ordentliches Durcheinander. Weidel wirft Scheuer vor, er wolle “die illegale Einwanderung” legalisieren. Scheuer entgegnet, Weidel solle den Zuschauern zunächst einmal klar machen, dass sie sich von ihrem Co-Spitzenkandidaten Alexander Gauland und thüringischen AfD-Chef Björn Höcke distanziert. Höcke bezeichnet er als einen Rechtsradikalen. Das beantwortet die AfD-Frau mit ihrem Abgang.

Meine Stellungnahme zum Verlassen der Sendung #wiegehtsD aufgrund der tendenziösen & völlig unprofessionellen Moderatorin Marietta #Slomka: //t.co/4upZkDs518 (05.09.2017 22:18 Uhr via Twitter)

Sicheres Mittel für Schlagzeilen

Schon kurz darauf postet Weidel auf Facebook eine Stellungnahme, in der sie die ZDF-Moderatorin Marietta Slomka scharf angreift. Im Netz wird jetzt darüber spekuliert, ob Weidel ihren Abgang geplant hat, um so Aufmerksamkeit zu bekommen – eine These, die der Medienwissenschaftler Jo Groebel in der “Heilbronner Stimme” unterstützt.

Ein Eklat, sagt Groebel, sei gerade im Wahlkampfzeiten ein sicheres Mittel, um in die Schlagzeilen zu gelangen. Und gegebenenfalls sei er auch eine Bestätigung für die eigene angebliche Ausgrenzungs- und Opferrolle. So etwas festige die eigenen Reihen.

Für eine vorbereitete Aktion spricht auch, dass Weidel in ihrem eiligen, aber dennoch sehr professionell aufgemachten Facebook-Post der Moderatorin Slomka vorwirft, sie habe sich die Argumente von SPD und Grünen zu eigen gemacht. Verlassen hat Weidel das Studio aber im Streit mit einem CSU-Mann. Von dem ist in dem Facebook-Post jedoch keine Rede.

Jörg Meuthen und Frauke Petry

AfD-Strategiepapier

Provokation statt Problemlösung

Die AfD will mit “sorgfältig geplanten Provokationen” den Sprung in den Bundestag schaffen. Politisch gestalten will sie laut Strategiepapier nicht. Zudem sollen Gegensätze in der heterogenen Anhängerschaft verschleiert werden – etwa in der Sozialpolitik. Von T. Leif und P. Gensing. | mehr

Die AfD-Spitzenkandidatin @Alice_Weidel hat die @ZDF-Wahlsendung “Wie geht’s, Deutschland?” vorzeitig verlassen. #btw17 #wiegehtsD //t.co/wye8SGO5tU (06.09.2017 00:23 Uhr via Twitter)

Alice Weidel verlässt während TV-Debatte das Studio
Alex Krämer, ARD Berlin
07:27:00 Uhr, 06.09.2017

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. September 2017 um 7:20 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 26.09.2017, 18:31:50