Wahlkampf im Netz: Die geheimen Strategien der Parteien

Gepostet am 17.07.2017 um 11:16 Uhr

Der Bundestagswahlkampf hat begonnen: Mit viel Tamtam stellen die Parteien ihre Plakate vor. Aber über ihren Wahlkampf in den sozialen Medien will keine Partei so richtig sprechen. Dabei wird der immer wichtiger.

Von Fumiko Lipp

Würden Facebook-Likes die Wahl entscheiden, dann gäbe es einen klaren Gewinner: die AfD. Mit knapp 330.000 Likes ist sie derzeit die erfolgreichste Partei auf Facebook – zumindest in der Statistik. CDU und SPD kommen nicht einmal auf die Hälfte, die FDP hat die 100.000 Likes noch nicht geschafft. Nur die Linke ist mit etwa 200.000 Likes auf Facebook ebenfalls recht erfolgreich.

Aber wahlentscheidend sind soziale Medien bei der Bundestagswahl auch 2017 wohl noch nicht. Trotzdem seien sie ein wichtiger Faktor für einen erfolgreichen Wahlkampf, sagt Politik-Berater Martin Fuchs, denn rund 50 Millionen Deutsche sind in sozialen Netzwerken unterwegs:

“Sie wollen heute, dass Informationen anders zu ihnen kommen. Die Zeitung genügt nicht mehr, die Informationen müssen auch in der Timeline auftauchen. Das ist eine ganz neue Logik. Und dazu baut Social Media auch Vertrauen in die Politik auf.”

Keine Infos über Online-Strategie

Alle Parteien sind zudem auch auf Instagram, Snapchat und Twitter  vertreten – viel mehr jedoch ist aus den Parteizentralen über ihren Online-Wahlkampf nicht zu erfahren. Warum aber wird die Online-Strategie nicht mit genauso viel Tamtam vorgestellt, wie die Wahlplakate? Die CDU schickt auf die Frage, was sie denn so geplant hätte im Netz, vier Zeilen mit Allgemeinplätzen per Mail. Mit der Partei die Linke kommt es zu keinem Gespräch. Auch die CSU verrät keine Details. Für Social-Media-Experte Martin Fuchs keine große Überraschung: Die Parteien würden da nicht gerne drüber sprechen – aus gutem Grund:

“Bei Plakaten, da wissen die Parteien, worauf es ankommt. Bei Social Media kann jeder Vorsprung auch von fünf Tagen entscheidend sein, wenn man mit einer neuen Idee, einer neuen Technologie auf den Markt kommt.”

CDU vergisst, Domain zu sichern

Natürlich leben soziale Medien auch von spontanen und schnellen Reaktionen, die nicht zu planen sind, zum Beispiel, als die CDU ihren unaussprechlichen Hashtag gestartet hat #fedidwgugl (“Für ein Deutschland in dem wir gut und gerne Leben”). Dabei hatte sie aber vergessen, sich auch die Web-Domain zu sichern. Deshalb findet man jetzt unter www.fedidwgugl.de eine lustige Schelte der FDP: “Liebe Union, überlasst das mit der Digitalisierung doch einfach denen, die davon Ahnung haben.”

Solche Aktionen sind klassisch für soziale Medien. Aber klassisch geplant werden können sie nicht und damit auch nicht wie Plakate vorher vorgestellt werden. Geld braucht es aber trotzdem und dafür haben die Parteien gesorgt. Die SPD nennt keine Zahlen, sagt der Leiter ihrer digitale Kampagne Tobias Nehren. Das seien strategische Informationen und er wolle nicht, dass der politische Gegner wisse, worauf die SPD ihre Schwerpunkte lege.

Bei den Grünen landet die Hälfte ihres Wahlwerbebudgets in Social Media – also rund 900.000 Euro, sagt Grünen-Wahlkampfmanager Robert Heinrich. Die FDP legt zehn bis 15 Prozent ihrer fünf Millionen Euro an Werbebudget für das Netz bereit.

Vermehrt diskursive Formate

Neben Facebook-Werbeanzeigen, wird im Wahlkampf 2017 auch auf Formate wie Facebook-Live gesetzt. Das wurde beispielsweise in den letzten Landtagswahlkämpfen von den Parteien schon getestet und könnte damit ein wichtiger Kanal werden, um direkt mit den Wählern in Kontakt zu treten. Insbesondere mit denen, die nicht zu Wahlkreisveranstaltungen zum Beispiel ins Wirtshaus kommen. FDP, Die Grünen und auch die CDU wollen Bürgern Kontaktmöglichkeit in Echtzeit geben.

WhatsApp im Wahlkampf

Der Messengerdienst WhatsApp ist ein weiterer direkter Kanal, den schon einige Parteien nutzen. Das Spitzenduo der Grünen beispielsweise Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt haben jeweils eine Gruppe im Messengerdienst, obwohl die Grünen WhatsApp eigentlich meiden – wegen des schwachen Datenschutzes. Aber im Wahlkampf müsse man mit den Social-Media-Kanälen arbeiten, die da sind, sagt der Wahlkampfmanager der Grünen, Robert Heinrich.

WhatsApp wird auch von den Linken genutzt: Die Partei hat eine Gruppe mit dem Namen “Team Sahra” für Sahra Wagenknecht eingerichtet. Und die FDP will bald nachziehen. Denn WhatsApp habe einen klaren Vorteil für die Parteien, sagt Martin Fuchs:

“WhatsApp ist die meistgenutzte Social-Media-App in Deutschland und man weiß, dass Menschen sie viel häufiger lesen, als E-Mails zum Beispiel. Sie beschäftigen sich auch emotional ganz anders damit.”

WhatsApp hat aber auch einen Nachteil: Denn jeder Nutzer muss sich gezielt dafür anmelden. Und so erreicht dieser Kanal eher die Menschen, die sowieso schon an der Politik einer Partei interessiert sind.

Zuletzt aktualisiert: 24.09.2017, 15:56:20