Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit "seiner" Orchidee ”Dendrobium Frank-Walter Steinmeier” in Singapur. Foto: ARD

Steinmeier reist: Der Präsident-Außenminister

Gepostet am 03.11.2017 um 13:17 Uhr

In Singapur war noch nie ein Bundespräsident. Zum Dank bekommt Steinmeier eine Orchidee gewidmet. Doch welchen Sinn macht es, noch nach Australien und Neuseeland zu reisen? Robin Lautenbach war auf der Reise dabei.

Das gefällt den Fotografen: Die Orchidee wird getauft auf den Namen ”Dendrobium Frank-Walter Steinmeier”. Abschluss des Staatsbesuches im Stadtstaat Singapur. Zunächst einmal, in Singapur war noch nie ein Bundespräsident. Steinmeier wundert sich, denn immerhin kommen jährlich 300.000 deutsche Touristen hierher und 8.000 Deutsche leben hier. Und, kaum zu glauben, in Australien und Neuseeland war Steinmeier selbst noch nie, trotz zweier Amtszeiten als viel reisender Außenminister -aber da kamen ja immer die großen Krisen dazwischen, Iran oder Ukraine zum Beispiel.


Die Commonwealth Staaten sind irritiert

Die nächste große Weltkrise, sie könnte hier stattfinden. Ein Nuklearkonflikt mit Nordkorea scheint nicht mehr ausgeschlossen, China andererseits beansprucht eine Rolle als neue Supermacht in Südost-Asien. Und gleichzeitig hat US-Präsident Trump die Rolle Amerikas als klassische Schutzmacht der Region in Frage gestellt, hält auch nichts vom transpazifischen Freihandel. Höchst irritiert sind die Commonwealth Staaten der Region auch vom Brexit, sehen es als Zeichen eines möglichen Zerfalls der EU. Deutsche Schadenfreude darüber, dass Großbritannien im Abseits stehen wird, hilft da auch nicht weiter.

So gesehen macht die Reise Steinmeiers Sinn. Vielleicht ist es sogar gut, dass man bei ihm weiterhin nicht so richtig weiß, ob er nun als Präsident oder Außenminister reist. Die Rollen sind so fern von Deutschland sowieso sehr ähnlich.

Steinmeier spricht von einer weltweit spürbaren Angst
Als Außenminister sprach Steinmeier oft davon, die Welt, so wie wir sie kannten, sei aus den Fugen geraten. Jetzt spricht er vor Studenten in Singapur von der weltweit spürbaren Angst. Angst nicht nur wegen Nordkorea, sondern auch wegen Migration, Klimawandel, politischer Polarisierung. Letzte Antworten darauf hat auch der deutsche Präsident nicht zu bieten. Es klingt eher defensiv, wenn er die Regeln des Völkerrechts beschwört und in Richtung Trump sagt, der Bau von Mauern helfe keinem.

Präsidiale Staatsbesuche haben meist wenig konkrete Ergebnisse. Doch Kontakt zu halten zu Ländern, die verlässliche Partner sind, das kann ja nicht schaden.

Zuletzt aktualisiert: 18.11.2017, 16:25:57