Umfrage, Prognose, Hochrechnung – die Unterschiede

Gepostet am 06.05.2017 um 19:11 Uhr

Was muss man über Umfragen, Prognosen und Hochrechnungen wissen? Vor den anstehenden Wahlen in Frankreich und Nordrhein-Westfalen möchten wir Ihnen die wesentlichen Unterschiede erläutern.

Wahlforscher sind mit ihren Umfragen und Prognosen in Misskredit geraten. Waren fast alle Wahlforscher in den USA von einem Wahlsieg für Hillary Clinton ausgegangen, wurden sie in der Wahlnacht eines besseren belehrt. Ähnlich erging es auch britischen Wahlforschern, die einen knappen Sieg für die Brexit-Gegner prognostiziert hatten.

Was sind eigentlich Hochrechnungen im Gegensatz zu Umfragen und Prognosen? Infratest dimap bietet über die unterschiedlichen Methoden einen guten Überblick:

Die Wahlumfrage

Bei einer Wahlumfrage, der sogenannten “Sonntagsfrage”, wird eine aktuelle Wahlneigungen und nicht ein tatsächliches Wahlverhalten gemessen. Sie ermittelt damit gleichsam einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist. Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Nicht nur legen sich immer mehr Wähler kurzfristiger vor einer Wahl fest, auch hat die Bedeutung der letzten Wahlkampfphase mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern durch die Parteien zugenommen. Im Ergebnis kann sich die allgemeine Stimmung noch im letzten Moment entscheidend verändern, wie gerade die Beispiele der Präsidentenwahl in den USA und die Brexit-Entscheidung zeigten.

Die Wahlprognose

Prognosen am Wahltag dienen dem Zweck, bereits vor der Bekanntgabe des amtlichen Endergebnisses möglichst genaue Aussagen über den Wahlausgang (Wahlsieger, Stärke der politischen Lager) treffen zu können, so etwa die 18-Uhr-Prognose. Dabei basiert eine Prognose, die unmittelbar nach Schließung der Wahllokale bekannt gegeben wird, in der Regel aber auch auf den Ergebnissen der Befragung von Wählern nach unmittelbarem Verlassen der Wahllokale in einer repräsentativen Auswahl von Stimmbezirken. Bei diesen Befragungen werden die zufällig ausgewählten Personen schriftlich zu ihrer Wahlentscheidung befragt. Da nicht alle ausgewählten Wähler, die das Wahllokal verlassen, an der Befragung teilnehmen und in der Befragung auch keine Briefwähler berücksichtigt werden können, müssen die Befragungsergebnisse durch spezielle Gewichtungsmodelle korrigiert und die Ergebnisse der Briefwähler geschätzt werden. Das birgt natürlich Risiken.

Zu diesem Thema auch auf unserem Blog zu lesen: Wir wissen bereits, wer die Bundestagswahl gewinnt – vielleicht

Die Hochrechnung

Im Gegensatz zu den Wahlumfragen und Wahlprognosen beruhen die im weiteren Verlauf des Wahlabends veröffentlichten Hochrechnungen auf realen Wahlergebnissen nach Schließen der Wahllokale. Sobald die Stimmen in ausgewählten Wahllokalen ausgezählt sind, werden sie an das Wahlstudio durchgegeben. Dort rechnen die Wahlforscher die übermittelten Teilergebnisse in ein wahrscheinliches Gesamtergebnis “hoch”. Im Verlauf des Wahlabends ergänzen immer mehr Ergebnisse aus den Wahlkreisen die Datenbasis und ermöglichen damit schrittweise immer exaktere Hochrechnungen.

Zuletzt aktualisiert: 22.10.2017, 02:41:24