Bundespräsident Steinmeier mit einer Tuatara-Echse im Naturschutzgebiet Zealandia in Wellington

Steinmeier reist: Maori, Echsen und Freihandel in Neuseeland

Gepostet am 07.11.2017 um 16:59 Uhr

Besuch in Neuseeland: Die weite Reise nach Wellington und Auckland lohne sich, so Steinmeier – auch wegen gemeinsamer Werte in Sachen Freihandel.

Wellington schmückt sich mit dem Titel der windigsten Stadt der Welt. Und so empfängt die Stadt an der Südspitze der Nordinsel Neuseelands auch den Bundespräsidenten bei der Landung mit heftigen Windböen. Weil die Landebahn recht kurz ist, fliegen Steinmeier und seine Delegation mit einem Charterflugzeug die gut drei Stunden von Sydney in Australien hierher nach Wellington.

Die Fluggesellschaft Virgin Australia hat sympathischerweise eine überwiegend deutsch sprechende Besatzung zusammengestellt. Das passt, denn überall in Neuseeland trifft man junge Deutsche, die ein Jahr mit dem beliebten Work-and-Travel-Programm ins Land kommen, manche bleiben dann gleich da oder kommen später als Einwanderer wieder.

Beeindruckende Begrüßungszeremonie
Beeindruckend die Begrüßungszeremonie durch die Maoris. Sie sind die polynesischen Ureinwohner Neuseelands, die im 13. Jahrhundert von den pazifischen Inseln kamen. Die Traditionen der Maoris sind in Neuseeland hochgeachtet. Auch Steinmeier ist zunächst der Fremdling, der durch kriegerische Gesten und Gesänge herausgefordert wird. Doch wenn er furchtlos die am Boden liegende Pfeilspitze aufhebt, dann wird er akzeptiert und aufgenommen. Auch der Kriegstanz Haka wird ihm von einer Gruppe College-Studenten dargeboten. Der Haka wird in Neuseeland vor jedem Rugbyspiel getanzt, zum Einheizen sozusagen.

Half bei der Wahl der Ministerpräsidentin auch der Macron-Effekt?
Im Parlamentsgebäude dann eine Begegnung, die jedem SPD-Politiker das Herz wärmen muss. Jacinda Ardern ist vor wenigen Tagen erst Ministerpräsidentin geworden, nachdem ihre Labourpartei höchst überraschend die Wahl gewonnen hat. Sie hatte sich in der Wahlkampagne auf einige wenige sozialpolitische Punkte gestützt, zum Beispiel den Kampf gegen Kinderarmut.

Doch noch mehr zum Wahlsieg hat wohl beigetragen, dass sie relativ jung ist und in der Politik als noch unbelastet galt. Auch hier ein Macron-Effekt? Ihre Regierung ist eine ungewöhnliche Koalition mit den Rechtspopulisten von „New Zealand First“ und den Grünen. Doch hier in Neuseeland sind auch die Populisten eher gemäßigt. Jacinda Ardern selbst beschreibt sich als so etwas wie eine skandinavische Sozialdemokratin.

Gemeinsamkeiten sind offene Wirtschaft und offener Handel
Das Thema Freihandel ist wie in Australien auch hier der gemeinsame Nenner mit dem Bundespräsidenten. Kein Protektionismus, sagen beide, sondern eine regelbasierte offene Wirtschaft und offener Handel. Beide unterstützen die Bestrebungen für ein Handelsabkommen EU-Neuseeland und diese Botschaft ist klar gegen Trump gerichtet. Deutlich wird aber auch hier, wie stark Großbritannien durch den Brexit auch hier bereits an den Rand gestellt wird.

In Auckland geht es um Wirtschaftsfragen. Ein hübscher Akzent war die Idee, die ein junger Deutscher hatte, der seinen Zivildienst in einer neuseeländischen Behinderteneinrichtung leistete und inzwischen als Praktikant bei der Deutsch-Neuseeländischen Handelskammer arbeitet. Er lud einige seiner früheren Schützlinge -seine „Jungs“ wie er sagte – als Überraschungsgäste zu Steinmeier ein und sie brachten dem Bundespräsidenten selbstgemalte Bilder mit.

„Das war meine längste und weiteste Reise sowohl als Präsident wie auch früher als Aussenminister“,

stellte Steinmeier am Ende fest. Aber es sei wichtig, dass europäische Politiker die Beziehungen gerade zu denen pflegen, die in einer unsicher gewordenen Welt die gleichen Werte und Überzeugungen hätten.

Eine weite Reise? Wohl wahr. Der Rückflug dauert, einschließlich Auftanken in Singapur, 27 Stunden.

Zuletzt aktualisiert: 22.11.2017, 11:47:59