Steinmeier reist: Europa und Trump, gesehen von Down Under

Gepostet am 05.11.2017 um 14:08 Uhr

Die USA unberechenbar, Großbritannien isoliert: Die südostasiatischen Staaten hoffen auf die EU und Deutschland als Partner, wenn es um die Zukunft der Region geht, erfährt Steinmeier auf seiner Reise.

“Die EU muss aufhören, sich nur mit sich selbst und ihren Krisen zu beschäftigen. Europa muss sich um Südostasien kümmern.” Das ist die Quintessenz dessen, was er in Singapur und Australien zu hören bekam, berichtet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, kurz bevor er von Australien nach Neuseeland weiterreist.

Nicht nur Steinmeier reist. Jetzt hat auch US-Präsident Trump seine mehrtägige Asienreise begonnen. Ihre Wege kreuzen sich nicht. Trumps Reise wird von allen Ländern der Region mit größter Nervosität beobachtet. Staaten wie Australien, traditionell dem Westen verbunden, fühlen sich von Trump im Stich gelassen. Der lehnt Freihandel ab; ob er sich für die Sicherheit der Region gegenüber der kommenden Supermacht China verantwortlich fühlt, weiß keiner. Wie irrational er gegenüber der irrationalen Nukleardrohung aus Nordkorea reagieren wird? Die Unsicherheiten sind riesig.

Wie umgehen mit China?

Das alles bekommt Steinmeier zu hören, in Gesprächen mit Politikern und Sicherheitsexperten. Und er spürt auch die neue Rolle, die Deutschland nun zugeschrieben wird, als Schlüsselland der EU, denn der Brexit wird in den Commonwealth-Ländern nahezu als Verrat Großbritanniens gesehen, das bislang die selbstverständliche Verbindung zu Europa war.

Ohne USA, ohne Großbritannien: Wie also umgehen mit China, das sich militärisch, vor allem aber wirtschaftlich zur Führungsnation aufschwingt? Für die südostasiatischen Staaten sind das Überlebensfragen. Auch in Deutschland ist man sich ja nicht sicher, ob die Aufkäufe deutscher Schlüsselindustrien durch chinesische Investoren nicht zur Gefahr wird.

Europäer zu naiv

An australischen Hochschulen studieren in großer Zahl Studenten aus China. Die zahlen zwar gut, doch inzwischen gibt es Vorfälle, bei denen sie gegen Professoren protestieren, die über Taiwan nicht im Sinne der offiziellen Pekinger Ein-China-Doktrin sprechen.

Eine schleichende Übernahme durch China? Manche Gesprächspartner in Australien halten die Europäer in diesem Punkt für zu naiv. China verfolge eine ausschließlich an eigenen Interessen ausgerichtete Politik, dem würden auch Handel und Wissenschaft untergeordnet.

Steinmeier kann viele Erkenntnisse aus der von Deutschland gesehen so fernen Region mitbringen. Dass er hier als eine Art deutscher Außenminister angesehen wird, ist vielleicht ganz gut, solange es in Berlin noch keine neue Regierung gibt.

Zuletzt aktualisiert: 18.11.2017, 16:49:09