Scholz sagt “Nein, danke”

Gepostet am 16.05.2016 um 13:14 Uhr

Ganz offensichtlich sind die Zeiten vorbei, in denen sich die Sozialdemokraten stritten, wer von ihnen Kanzlerkandidat werden darf. Olaf Scholz jedenfalls hat wohl wenig Interesse an einem Konkurrenzkampf um die Kandidatenkür. Muss Gabriel jetzt ran? Von A. Engelke.

Ganz offensichtlich sind die Zeiten vorbei, in denen sich die Sozialdemokraten stritten, wer von ihnen Kanzlerkandidat werden darf. Olaf Scholz jedenfalls hat wohl wenig Interesse an einem Konkurrenzkampf um die Kandidatenkür. Muss Gabriel jetzt ran?

Von Anna Engelke, ARD-Hauptstadtstudio

Danke, aber nein – so reagiert Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz auf das Angebot seines Parteichefs Sigmar Gabriel, den nächsten Kanzlerkandidaten der SPD per Mitgliederentscheid bestimmen zu lassen. Als Begründung sagte Scholz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: “Der SPD-Vorsitzende ist der natürliche Kanzlerkandidat”. Die SPD sei eine solidarische Partei, an deren Spitze Zusammenhalt herrsche. Und so Scholz wörtlich: “Wir machen uns nicht gegenseitig die Posten streitig.”

Scholz will offenbar keinen Mitgliederentscheid

Letztendlich hatte Gabriel im “Spiegel” genau das vorgeschlagen, als er im Interview sagte: “Es wäre hervorragend, wenn es im nächsten Jahr zwei oder drei Leute aus der Führungsspitze der SPD gäbe, die sagen: Ich traue mir das zu.” Zwar hatte Gabriel den Hamburger Bürgermeister nicht namentlich erwähnt, aber der stellvertretende SPD-Chef Scholz gilt als eine der Alternativen für die Spitzenkandidatur. Genau wie Arbeitsministerin Andrea Nahles, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz.

Scholz möchte offenbar aber erst gar nicht, dass Gabriels Idee eines Mitgliederentscheids über die nächste SPD-Kanzlerkandidatur Fahrt aufnimmt, deswegen meldete er sich so umgehend und deutlich zu Wort: “Unser Ziel muss es sein, die SPD gemeinsam voran zu bringen.” Er halte Gabriel für einen guten Parteichef.

Gabriel: Meine Zufriedenheit hängt nicht vom Dienstwagen ab

In dem Spiegel-Interview hatte Gabriel angedeutet, dass er vom Posten des SPD-Chefs auch lassen könne. Er habe ein glückliches Familienleben und seine persönliche Zufriedenheit hänge nicht von einem Dienstwagen ab: “Wer sich selbst für unersetzbar hält oder – was noch schlimmer wäre – sein eigenes Selbstwertgefühl nur aus seinem Amt bezieht, ist eigentlich schon deshalb nicht geeignet.” Allerdings fügte der Parteichef noch hinzu: “Auch wenn der Vorsitz der SPD natürlich etwas ganz Besonderes ist.”

Gabriel steht parteiintern unter anderem wegen der schlechten Umfragewerte für die SPD in der Kritik. Bisher ist geplant, dass die Sozialdemokraten ihr Wahlprogramm im Frühsommer 2017 beschließen und dann auch entscheiden, mit wem an der Spitze sie ihn den Bundestagswahlkampf ziehen.

Die Äußerungen sowohl von Gabriel als auch von Scholz erwecken den Eindruck als seien die Zeiten vorbei, als die Sozialdemokraten noch heftig darum stritten, wer von ihnen Kanzlerkandidat werden darf.

SPD-Vize Scholz lehnt Konkurrenzkampf um Kanzlerkandidatur ab
A. Engelke, ARD Berlin
12:26:00 Uhr, 16.05.2016

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Mai 2016 um 20:00 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 21.11.2017, 03:33:36