Scholz statt Schulz

Gepostet am 27.10.2017 um 12:58 Uhr

Olaf Scholz schießt gegen SPD-Chef Martin Schulz. Diese Kritik ist mutig, findet Uwe Lueb. Die SPD muss mit neuem Personal durchstarten.

Hamburgs Bürgermeister Scholz macht klar: SPD-Chef Schulz ist ein Mann von gestern. Das schreibt Scholz nicht wörtlich in seinem Papier zur Lage der SPD. Aber er meint es und legt den Finger in die offene Wunde seiner Partei: Die 20,5 Prozent für die SPD bei der Bundestagswahl sind so schlecht, dass sie nicht einfach weiter machen kann wie immer. Das gilt auch für die Analyse der Ursachen.

Es reicht nicht, über mangelnde Wähler-Mobilisierung und – zweifellos reichlich gemachte – Fehler im Wahlkampf zu reden. Die unausgesprochene Forderung Scholz´ ist: Martin Schulz muss gehen. Er ist nicht die Zukunft der SPD. Schon jetzt sagen führende Sozialdemokraten hinter vorgehaltener Hand, Schulz sei ein Auslaufmodell. Noch wollen sie ihn aber als Vorsitzenden behalten und auf dem Parteitag im Dezember wiederwählen.

Beliebt an der Basis

Warum? Weil er an der Basis beliebt ist und andere die Mühen eines langen Erneuerungsweges scheuen? Dabei sind die Urteile von Scholz und auch seinem Kollegen aus Niedersachsen, Weil, klar: Stephan Weil hat seinen Wahlsieg vor knapp zwei Wochen so erklärt: Aussicht auf Erfolg habe man, wenn die Partei geschlossen sei, das Programm passe und der Spitzenkandidat all das als Klammer verbinde. Schulz stand wortlos daneben. Deutlicher hätte man ihm kaum sagen können, dass all das im Bundestagswahlkampf der SPD nicht geklappt hat.

Für den Hamburger Scholz heißt es daher: ´Es ist Zeit für eine schonungslose Betrachtung der Lage´. Und eine klare politische Ausrichtung der SPD: Pragmatismus statt Schulz´scher Kapitalismuskritik. Wahlen habe die SPD gewonnen mit Brandt, Schmidt und Schröder. In deren Fußstapfen passt Schulz nicht rein. Olaf Scholz sieht das.

Mutige Kritik

Seine Kritik an der eigenen Partei ist mutig. Doch jetzt muss er konsequent sein. Wenn er seine Analyse ernst meint und an seine Vorstellung einer wieder erfolgreichen SPD glaubt, muss er selber ran – und für den Vorsitz der SPD kandidieren.

Die SPD tut sich keinen Gefallen, noch einmal zwei Jahre lang zu warten, bis sie neue Hoffnungsträger aufbaut – und so lange Schulz machen lässt. Seine SPD-Karriere war kometenhaft: schneller strahlender Aufstieg und dann verglüht. Es bringt den Sozialdemokraten aber nichts, dem Schweif hinterherzuträumen. Sie muss durchstarten. Mit neuem Personal. Scholz statt Schulz.

Zuletzt aktualisiert: 18.11.2017, 16:46:25