Partner oder Gegner? Wie Macron, Le Pen und Co. über Deutschland twittern

Gepostet am 23.04.2017 um 16:51 Uhr

Dass Twitter ein wirksames Forum für Politiker ist, beweist US-Präsident Trump mit seinen Tweets zur Weltlage fast täglich. Wir haben recherchiert, was die französischen Präsidentschaftskandidaten online über Deutschland sagen.

Der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron gilt als der charismatische Überflieger und hat gute Chancen, Frankreichs neuer Präsident zu werden. Der 39-Jährige vertritt wirtschaftsliberale und pro-europäische Positionen. Und Frankreich, so Macron, kann man nicht ohne Europa und Deutschland denken:
(Treffen mit Angela Merkel. Man kann kein französisches Projekt umsetzen, ohne sich um ein europäisches Projekt und um Deutschland zu kümmern.)

Dass man aber mit der Kritik an Europa und Deutschland im Wahlkampf gut punkten kann, weiß Macron auch:
(Wenn man in Frankreich beliebt sein will, ist es verlockend über Europa oder Deutschland herzuziehen. Ich habe das nie gemacht. )

Ganz anders als Macron denkt Marine Le Pen über Europa und Deutschland. Die Anführerin des rechtspopulistischen Front National möchte ihr Land aus der EU führen, Deutschland kritisiert sie zum Beispiel für die Flüchtlingspolitik:
(500.000 Migranten, die derzeit in Deutschland sind, verteilen sich wegen des Schengen-Abkommens in der gesamten EU.)

Die starke deutsche Wirtschaft, die zuletzt auch von Macron angeprangert wurde, sieht sie als Problem:(Deutschland hat durch den Euro einen spektakulären Wettbewerbsvorteil, da sie von der abgewerteten Währung profitieren.)

Der von Le Pen anvisierte Frexit würde auch die Rückkehr zum Franc bedeuten.

Die Rechtspopulistin ist nicht die einzige Kandidatin, die gegen den Nachbarn Deutschland wettert. Ebenso scharfe, wenn nicht sogar schärfere Kritik, kommt vom Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon.

Die Vorwürfe sind laut und mitunter sehr unkonkret:
(Deutschland geht es sehr schlecht ! Das Land hat das Lebensniveau der Menschen stark herabgesetzt.)

Nicht weniger scharf, dafür etwas konkreter hat sich Mélenchon hier geäußert:
(Das Land, mit dem es bergab geht, das eine schlechte Demographie und ein korruptes Bankensystem hat, das ist Deutschland.)


Einen etwas positiveren Blick auf Deutschland hat der konservative François Fillon. Zwar bemängelt auch er immer wieder einzelne Punkte, wie zum Beispiel die Flüchtlingssituation im Land, trotzdem sieht Fillon ähnlich wie Macron Deutschland als starken Partner und in bestimmten Bereichen auch als Vorbild, zum Beispiel in der Wirtschaft:
(Deutschland macht dieselbe Politik, die ich vorschlage. Das Resultat: Es gibt viele Arbeitsplätze. Das will ich auch für mein Land.)

Während die als extrem geltenden Kandidaten Le Pen und Mélenchon Deutschland stark kritisieren, wünschen sich Macron und Fillon, die sich in ihren pro-europäischen Ansichten ähneln, eine Partnerschaft mit Deutschland. Der Ausgang der Wahlen wird also nicht nur über Frankreichs Verhältnis zur Europäischen Union entscheiden, er wird womöglich auch die deutsch-französischen Beziehungen neu schreiben.

Die Frankreichwahl war auch im Bericht aus Berlin vom 23. April Thema.

Zuletzt aktualisiert: 27.05.2017, 21:23:49