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No Show Netanjahu – wie Sigmar Gabriel mit der Absage umging

Gepostet am 26.04.2017 um 11:25 Uhr

Benjamin Netanjahu hat gestern sein Treffen mit Sigmar Gabriel abgesagt – Wie der Bundesaußenminister darauf reagiert hat? Marion von Haaren war auf seiner Reise dabei.

Bis 16 Uhr war das Mobiltelefon des Außenministers für Israels Regierungschef noch empfangsbereit. “Ich bleibe bis zum Termin gesprächsbereit”, erklärte Gabriel noch mittags, dabei musste er längst gewusst haben, dass nichts wird aus dem Besuch bei “Bibi” Netanjahu.

Ein kleines diplomatisches Duell
Hat es im Vorfeld seines Israel-Besuches keine Abstimmung gegeben? Üblicherweise werden die Listen über die Gesprächspartner vor einem Auslandsbesuch mit dem Gastgeber abgestimmt – und das nicht erst am letzten Tag vor Antritt der Reise. Kam es also überraschend, dass Netanjahu Gabriel einen Korb verpasste? Nicht ganz. Offenbar gab es schon im Vorfeld der Reise Signale aus Israel.

Netanjahus Büro gab zu verstehen, dass das geplante Treffen mit sechs regierungskritischen NGOs in Jerusalem dem israelischen Gastgeber nicht in den Kram passte. So boten sich beide Seiten offenbar ein kleines diplomatisches Duell. Fürs jeweils eigene Publikum. “In einer Demokratie muss man mit allen reden können”, beharrte Gabriel auf seinem Standpunkt. Und Netanjahu? Er bezeichnet die regierungskritischen NGOs als Nestbeschmutzer, als Leute, die den Interessen Israels schadeten.

Gabriel nimmts gelassen
Als Ausgleich für die Absage des Treffens bot Netanjahu Gabriel noch am gleichen Tag ein Telefonat an – allerdings nur, wenn ein Teil der NGO-Vertreter ausgeladen, stattdessen israelische Siedler eingeladen würden. Wenn es so war, wie israelische Medien berichten, hätte Gabriel Netanjahu ein Geschenk gemacht, seine eigene Reputation aber aufs Spiel gesetzt. Ob Telefonat oder nicht, es waren wohl nicht allein die NGOs, die “Bibi” empörten und bewogen, Gabriel auszuladen. Zumal solche Treffen früher nicht zu solchen Reaktionen führten.

Kürzlich hatte Kanzlerin Merkel die ursprünglich für Mai geplanten gemeinsamen Regierungskonsultationen mit Israel verschoben. Angeblich aus Termingründen. Aber wohl eher aus Protest gegen Israels expansive Siedlungspolitik auf palästinensischem Privatland. Das war wohl der eigentliche Stein des Anstoßes. Doch bei aller Verstimmung, Außenminister Gabriel nimmts gelassen: “Dann fliege ich eben in vier Wochen wieder hin und treffe mich mit meinem Freund Netanjahu.”

Zuletzt aktualisiert: 24.07.2017, 16:38:30