Erneut sexuelle Übergriffe bei Bundeswehr

Gepostet am 20.03.2017 um 20:22 Uhr

Bei der Bundeswehr gibt es einen neuen Skandal. Wie das ARD-Hauptstadtstudio erfuhr, wurde ein Obergefreiter der Gebirgsjäger über Monate hinweg von Ausbildern und Mannschaftssoldaten sexuell belästigt und genötigt. Von Arnd Henze.

Bei der Bundeswehr gibt es einen neuen Skandal. Wie das ARD-Hauptstadtstudio erfuhr, wurde ein Obergefreiter der Gebirgsjäger über Monate hinweg von Ausbildern und Mannschaftssoldaten sexuell belästigt und genötigt.

Die Bundeswehr wird von einem neuen Skandal erschüttert: Laut eines Schreibens, das dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt, wurde ein Obergefreiter der Gebirgsjäger in Bad Reichenhall über viele Monate von Ausbildern und Mannschaftssoldaten sexuell belästigt und genötigt. Das teilte das Verteidigungsministerium heute dem Bundestag mit.

Die Vorfälle beziehen sich auf den Zeitraum von November 2015 bis September 2016 und betreffen die 4. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231. Es geht sowohl um verbale wie tätliche sexuelle Angriffe. Am 5.Oktober habe sich das Opfer an den Wehrbeauftragten gewandt. Zugleich bat der Obergefreite dringend darum, nicht wieder zu den Gebirgsjägern zurückkehren zu müssen.

Von der Leyen: Vorgang betrifft nur Teileinheit

Interne Untersuchungen bestätigten die Angaben des Obergefreiten. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums richten sich die Ermittlungen gegen 14 Beschuldigte: Zwei Feldwebel, zwei weitere Unteroffiziere und zehn Mannschaftssoldaten. Das Ministerium von Ursula von der Leyen verweist darauf, dass die Vorgänge lediglich eine Teileinheit beträfen. Es bescheinigt den truppendienstlich verantwortlichen Kommandeuren, „umsichtig und konsequent reagiert zu haben.“

Auffallend ist allerdings nicht nur der lange Zeitraum der sexuellen Übergriffe. Bemerkenswert ist auch, dass es der Obergefreite erst wagte, sich an den Wehrbeauftragten zu wenden, als er räumlich von seiner Einheit getrennt war. Erst vor einigen Wochen hatten jahrelange sadistische Praktiken bei der Sanitätsausbildung in der Stauferkaserne im baden-württembergischen Pfullendorf für Schlagzeilen gesorgt. Damals hatte sich Generalinspekteur Volker Wieker persönlich in die Ermittlungen eingeschaltet.

Zuletzt aktualisiert: 23.03.2017, 13:14:26