“Milchgipfel” im kleinen Kreis

Gepostet am 30.05.2016 um 05:40 Uhr

Manche Molkereien zahlen den Bauern 20 Cent für einen Liter Milch – zu wenig, um kostendeckend arbeiten zu können. Auswege aus der Krise soll ein “Milchgipfel” im Landwirtschaftsministerium bringen. Doch schon die Teilnehmerauswahl sorgte für Streit. Von Christoph Scheld.

Manche Molkereien zahlen den Bauern 20 Cent für einen Liter Milch – zu wenig, um kostendeckend arbeiten zu können. Auswege aus der Krise soll ein “Milchgipfel” im Landwirtschaftsministerium bringen. Doch schon die Teilnehmerauswahl sorgte für Streit.

Von Christoph Scheld, ARD-Hauptstadtstudio

Als der Bundeslandwirtschaftsminister am Donnerstag zu seinem Wahlkreisbüro in Franken geht, erwartet ihn ein unfreundlicher Empfang. Seit gut zwei Wochen campieren dort Milchbauern mit der Kuh Cilly. Sie wollen den CSU-Mann Christian Schmidt mit eindrücklichen Worten auf ihre Misere aufmerksam machen.

Dass auf ihrem Hof immer mehr Milch produziert werde, habe einen Grund, erklärte eine Bäuerin dem Minister: “Warum mache ich das? Um die Festkosten auf mehr Milch zu verteilen. Ich versuche jeden Tag, mehr zu produzieren. Alle anderen Bauern machen das, weil sie auch ihre Familie überleben lassen wollen. Und was ist das Ende? Die Menge wird immer mehr und mehr und wir kommen immer tiefer ins Preistief rein.”

Rationales Marktverhalten sieht anders aus. Es spricht die Verzweiflung. Die Lage der Milchbauern ist ernst: 20 Cent pro Liter Milch zahlen manche Molkereien gerade noch, mehr als das Doppelte bräuchten die Bauern, um über die Runden zu kommen.

Heute findet dazu ein “Milchgipfel” statt. Doch schon die Zusammensetzung derer, die da mit am Tisch sitzen, sorgt für Irritationen. Ursprünglich sollte es schon in der vergangenen Woche ein Treffen inklusive der Agrarminister der Länder geben. Nach der Terminverschiebung auf heute wurden sie wieder ausgeladen. Man kenne ja die Position von Priska Hinz und Co, erklärte das Ministerium von Christian Schmidt. Diese Position ist: Runter mit der Milchmenge.

Vor dem “Milchgipfel” im Landwirtschaftsministerium
tagesschau24 07:00:00 Uhr, 30.05.2016

Nicht alle sitzen mit am Tisch

Für die Bauern redet der Deutsche Bauernverband. Generalsekretär Bernhard Krüsken: “Im Moment sind nicht nur die Kleinen in der Bredouille und wirklich in einer existenzbedrohenden Situation, sondern es sind wirklich alle Betriebe.”

Nicht dabei sind andere Vertreter der Milchbauern wie die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, die sich vom Bauernverband nicht vertreten fühlt. Für die ist Ottmar Ilchmann schon am Freitag nach Berlin gereist – er durfte immerhin zu einem “Vorgespräch” mit dem Staatssekretär. Versöhnt hat ihn das nicht: “Wir gehören auf jeden Fall mit an den Tisch. Die Verbände, die sich mit dem Minister treffen – also Bauernverband, Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel – sind ja diejenigen, die die Krise, in der wir uns jetzt befinden, maßgeblich mitverursacht haben.”

So oder so, es soll eine Lösung gefunden werden, wie den notleidenden Bauern geholfen werden kann. Er werde alle rechtlichen Maßnahmen ausschöpfen, kündigte Landwirtschaftsminister Schmidt an. Die Bauern müssten gestärkt werden und “darüber hinaus muss ich die Existenzsicherung für Betriebe in die Hand nehmen.”

Milch

Hintergrund

Zu viel Milch, zu wenig Geld

Bundesregierung beschließt Notfallmaßnahme gegen die Milchkrise | mehr

“Die Welt braucht unsere Milch eben nicht”

“100 Millionen Euro plus X” brachte Kanzlerin Angela Merkel ins Gespräch. Für die Opposition ist dies nicht mehr als ein Trostpflaster. Aus der Sicht Friedrich Ostendorffs, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, hilft nur eins: “Die Menge muss runter. Wenn die Milchmenge so hoch bleibt, wie sie in Europa ist, wird es keine Besserung geben. Die Welt braucht unsere Milch eben nicht.”

Ostendorff, die Länderminister und Milchbauern im ganzen Land werden gespannt beobachten, was beim “Milchgipfel” herauskommt. Am Ergebnis mitarbeiten können sie nicht – sie sitzen nicht mit am Tisch.

Zuletzt aktualisiert: 17.08.2017, 13:33:49