Ohne Schleier nach Saudi-Arabien

Gepostet am 30.04.2017 um 03:05 Uhr

Die Kanzlerin reist nach Saudi-Arabien, wo die Abaya – ein langes schwarzes Gewand – in der Öffentlichkeit Pflicht ist. Dazu tragen viele Frauen Gesichtsschleier. Was haben die Kanzlerin und die sie begleitenden Journalistinnen im Gepäck? Von Angela Ulrich.

Die Kanzlerin reist nach Saudi-Arabien, wo die Abaya – ein langes schwarzes Gewand – in der Öffentlichkeit Pflicht ist. Dazu tragen viele Frauen Gesichtsschleier. Was haben die Kanzlerin und die sie begleitenden Journalistinnen im Gepäck?

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Für die Kanzlerin ist klar: Sie wird in Saudi-Arabien keine Abaya anlegen. Das ist das bodenlange schwarze Gewand, das vom Hals abwärts den ganzen Körper verhüllt. Ebenso wenig wird Angela Merkel ein Kopftuch tragen, wenn sie in Dschidda König und Kronprinzen trifft.

Respekt für religiöse Gefühle des Besuchslandes? Ja, heißt es in der Regierungsdelegation – aber nicht in dieser Form.

Kleiderordnung im Kreise der Kanzlerin

Auch Ursula von der Leyen, die Bundesverteidigungsministerin, hat bei ihrem Saudi-Arabien-Besuch vor einigen Monaten keine Abaya getragen. Klar – die Fotos mit verschleierter Ministerin oder Kanzlerin wären auch – mindestens – markant. Das wollten die Politikerinnen vermeiden.

Und auch für uns mitreisende Journalistinnen gilt: Kein Abaya-Zwang, sofern wir uns in Merkels Delegation bewegen.

Ein Wäschekorb voller schwarzer Umhänge

Bei einer Reise Sigmar Gabriels an den Golf vor zwei Jahren war das noch anders: Mit einem Wäschekorb voller langer schwarzer Umhänge hatten uns damals Botschaftsmitarbeiter schon am Flughafen begrüßt. Bitte auswählen und den Landessitten Respekt zollen, war damals die Devise.

Ellen von Zitzewitz, Regierungsmitarbeiterin mit langer Saudi-Arabien-Erfahrung, rät dazu, zumindest gerüstet zu sein, auch in punkto Kopftuch: “Ich würde mitreisenden Frauen immer raten, ein Halstuch dabei zu haben, wenn es eine Situation gibt, wo das angemessen ist.”

Allmählich geht es voran

Frauen in Saudi-Arabien dürfen nicht Auto fahren, aber inzwischen Schulen besuchen und studieren. In der Praxis dürfen sie Geschäfte nur unter Aufsicht von Männern tätigen, erst seit ein paar Jahren allein im Hotel übernachten. In letzter Zeit hat sich einiges getan: Die Kanzlerin wird Unternehmerinnen bei ihrer Reise treffen.

Sigmar Gabriel hatte schon 2015 von Frauenrechtlerinnen eher Hoffnungsvolles gehört. Die Frauen hätten gesagt, dass es durchaus in der Gesellschaft die Bereitschaft zu einer stärkeren Liberalisierung gebe, zu mehr Frauenrechten, so Gabriel. Auch der letzte König habe damit begonnen, Universitäten zu öffnen und Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen.

Gespräche ohne Schleier – Merkel beim saudischen König
A. Ulrich, ARD Berlin
18:23:00 Uhr, 29.04.2017

Ist es also eine Botschaft in Richtung saudisches Königshaus, eine Ermunterung für gesellschaftlichen Aufbruch, wenn die Kanzlerin den strengen Kleidervorschriften nicht folgt? Das dann auch nicht, heißt es in ihrem Umfeld.

Nicht nur Burkas – was tragen Musliminnen?
tagesschau24 16:53:00 Uhr, 26.08.2016

Zuletzt aktualisiert: 23.07.2017, 02:48:24