Auf der Palme

Gepostet am 21.02.2017 um 21:50 Uhr

Es ist ein bizarrer Streit: Mailands Stadtregierung bringt mit exotischen Pflanzen auf dem Domplatz die Rechtspopulisten von der Lega Nord auf die Palme. Die Argumente der Anti-Palmen-Bewegung sind klar ausländerfeindlich. Von Jörg Seisselberg.

Es ist ein bizarrer Streit: Mailands Stadtregierung bringt mit exotischen Pflanzen auf dem Domplatz die Rechtspopulisten von der Lega Nord auf die Palme. Die Argumente der Anti-Palmen-Bewegung sind klar ausländerfeindlich.

Von Jörg Seisselberg, zzt. ARD-Studio Rom

Exotische Pflanzen vor dem Mailänder Dom? Nein, danke! Den Takt für die Anti-Palmen-Bewegung in der italienischen Finanzmetropole gibt der Chef der rechtspopulistischen Lega Nord, Matteo Salvini, vor –  in einer Videobotschaft mit unüberhörbar ausländerfeindlichen Untertönen: “Seid ihr krank? Geht es euch noch gut? Jetzt fehlen uns nur noch Affen und Kamele. Die illegalen Flüchtlinge sind ja schon da. So wird der Domplatz jetzt ein zentralafrikanischer Platz mit Palmen und Bananen.”

Palmen – ein Symbol Afrikas?

Weg mit den Palmen, sie seien ein Symbol Afrikas und gehörten nicht nach Norditalien – so die Botschaft der Lega. Auch andere rechte Gruppen mobilisieren gegen die, wie sie sagen, Afrikanisierung des zentralen Mailänder Platzes. Mit Megaphon und Bananen in der Hand ziehen Palmengegner auf den Domplatz, um gegen die Invasion fremdländischer Pflanzen zu protestieren: “Das ist eine Verunstaltung! Es reicht! Es ist eine Schande, wie sie unseren zentralen Platz zurichten – wir sind hier in einer Palmen- und Bananenplantage.”

Einigen Anti-Palmen-Aktivisten reichte der lautstarke Protest offensichtlich nicht. Nachts wurden drei der insgesamt 42 Palmen durch gelegtes Feuer zerstört. Die Polizei wertet Videoaufnahmen aus und hofft, den Tätern auf die Spur zu kommen.

Die Mailänder Bürger wissen derweil noch nicht so recht, was sie von der neuen Grünfläche vor dem Dom halten sollen. Eine Frau bezweifelt, dass die Pflanzen zu diesem Platz passen. “Wir hätten etwas Einheimisches bevorzugt.” Mailand sei kein Ort für Bananen und Palmen, betont ein Mann. “Das gehört hier nicht hin.” Ein anderer Mann findet die Palmen hingegen schön. “Das haben sie wirklich gut gemacht. So was war hier mal nötig.”

Grüne Metropole – mit Hilfe einer US-Kaffee-Kette

Hinter den umstrittenen Palmen vor dem Dom steckt der Versuch der sozialdemokratischen Stadtregierung, mit Sponsorenhilfe die Millionenmetropole grüner zu machen. Die Ausschreibung für den zentralen Platz hat eine US-amerikanische Coffeeshop-Kette gewonnen, die in Mailand gerade dabei ist, ihre erste Filiale einzurichten. Bislang hatte die Lobby der kleinen, traditionellen Espressobars verhindert, dass der weltweit präsente Kaffeekonzern auch in Italien Fuß fasst.

Das “Nein” zu den von der Coffeeshop-Kette finanzierten Palmen verknüpft Lega-Nord-Führer Salvini mit demonstrativer Unterstützung für die kleinen italienischen Espressobar-Besitzer: “Ein multinationaler Konzern aus den USA entscheidet, was mit einem der schönsten Plätze der Welt geschieht? Es fehlt nur noch, dass ein anderes Unternehmen den Markusplatz in Venedig mit Pommes Frites dekoriert. Okay, Geschäft ist Geschäft. Die können ruhig weiter ihren schlechten Kaffee machen. Doch die Pflege der Stadt sollten sie den Mailändern überlassen.”

Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala zeigt sich bislang standhaft trotz massiver Beschimpfungen auch in den sozialen Netzwerken. Man müsse auch mal etwas wagen, sagt der ehemaliger Macher der Mailander Expo gelassen.

Bizarrer Palmen-Streit in Mailand
J. Seisselberg, ARD Rom
21:30:00 Uhr, 21.02.2017

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. Februar 2017 um 16:50 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 29.05.2017, 11:34:13