Rebellenführer proklamiert “Kleinrussland”

Gepostet am 18.07.2017 um 18:31 Uhr

Der Donezker Rebellenführer hat die Gründung von “Keinrussland” auf dem Gebiet der Ukraine verkündet – und damit selbst die russische Regierung überrascht. Der Vorstoß habe nichts mit realer Politik zu tun, hieß es aus dem Kreml. Von Christina Nagel.

Der Donezker Rebellenführer hat die Gründung von “Keinrussland” auf dem Gebiet der Ukraine verkündet – und damit selbst die russische Regierung überrascht. Der Vorstoß habe nichts mit realer Politik zu tun, hieß es aus dem Kreml.

Von Christina Nagel, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. in Moskau

Selbst im Kreml schien man überrascht. Einer neuer Staat in der Ukraine? Das war sogar der russischen Administration neu. Es müsse sich um eine persönliche Initiative der Donezker Führung handeln, hieß es kühl. Der Bevollmächtigte Russlands in der Minsker Kontaktgruppe, Boris Gryslow, legte nach: Der Vorschlag habe wohl eher mit dem anhaltenden Informationskrieg als mit realer Politik zu tun. Die Initiative sei nicht mit dem Minsker Prozess vereinbar und habe auch keinerlei rechtliche Folgen.

In den offiziellen Nachrichten der selbsternannten Donezker Volksrepublik hatte das am Vormittag allerdings anders geklungen. Die Rede war hier von einem konstitutionellen Akt. Von der Gründung eines neuen Staates: Malorossija. Kleinrussland. Der Donezker Rebellenführer Alexander Sachartschenko begründete den Vorstoß damit, dass die Ukraine als Staat nicht wiederhergestellt werden könne: “Wir, Vertreter der Regionen der ehemaligen Ukraine, schlagen deshalb vor, den Staat aufzulösen, und an seiner Stelle Kleinrussland zu gründen.” Die Umbenennung sei sehr wichtig, “denn die Ukraine trägt als Staat die Schuld an Kriegsverbrechen, Massenterror und Mord am eigenen Volk”.

Donezk als neue Hauptstadt

Die Vision: Kleinrussland als der alleinige Rechtsnachfolger der Ukraine. Ein föderaler Staat mit eigener Flagge und einer neuen Hauptstadt: Donezk. Die ehemalige Hauptstadt Kiew soll zum historisch-kulturellen Zentrum werden. Selbst die Führung der verbündeten Separatisten in der selbsternannten Volksrepublik Luhansk distanzierte sich ausdrücklich von dem Projekt. Man habe aus den Medien davon erfahren.

Am Ende spricht vieles für einen Alleingang Sachartschenkos, der damit erfolgreich ein neues Thema gesetzt hat. Und zwar genau einen Tag bevor die Sicherheitsexperten der trilateralen Kontaktgruppe (Vetreter der Ukraine, Russlands und der OSZE) zusammenkommen. An Zufall will da der Vertreter der Ukraine, Jewhen Martschuk, nicht glauben: “Die heutige Erklärung von Sachartschenko ist so gehalten, dass sie den Verhandlungsprozess morgen völlig blockiert. Denn egal, wie morgen die Tagesordnung aussehen wird, wir werden unsere Sitzung mit einer Besprechung dieser Erklärung beginnen.”

Vielleicht war es eine gezielte Provokation, vielleicht steckt ein interner Machtkampf der Separatistenführer hinter dem Vorstoß. Russische Experten zeigten sich heute jedenfalls überzeugt, dass “Kleinrussland” schon bald wieder Geschichte ist.

Der neue Staat “Kleinrussland”
Christina Nagel, ARD Berlin, zzt. Moskau
17:48:00 Uhr, 18.07.2017

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2017, 21:43:13