Ist das die Zukunft des Schwerlastverkehrs in Deutschland?

Gepostet am 11.04.2017 um 18:12 Uhr

Der eHighway kommt nach Deutschland, leise und klimaeffizient. Mit Oberleitungs-LKW sollen die Klimaziele erreichbar bleiben – trotz des dichteren Verkehrs. Moritz Rödle war auf der Teststrecke dabei.

Transportfahrzeug mit Oberleitung? Kennen wir schon, heißt Eisenbahn. So oder so ähnlich sind die Reaktionen, als ich bei Twitter Bilder der Siemens-Versuchsstrecke in der Uckermark poste.

Kurz vorher hat der zuständige Referent aus dem Bundesumweltministerium mit exakt den gleichen Erfahrungsberichten seinen Vortrag über das Projekt begonnen. Matthias Scheffer erzählt,  er habe damals im Jahr 2010 zuerst nur ungläubige Blicke seiner Vorgesetzten geerntet.

Hybrid heißt: Ruhe im Führerhaus

Doch inzwischen hat er sogar seine oberste Chefin überzeugt. Umweltministerin Hendricks sitzt stolz im Führerhaus des Hybrid-LKWs und erklärt den Journalisten fast euphorisch die Vorzüge des Gefährts für die Fahrer. Es sei nämlich deutlich ruhiger im Führerhaus, wenn der Laster elektrisch fahre.

Auch auf die drängendere Frage, ob das Umweltministerium mit dem Projekt, den Anspruch die Schiene zu fördern, aufgegeben habe, ist sie gut vorbereitet. Es gebe in Deutschland halt eine steigende Nachfrage nach Transportmöglichkeiten für Güter, die besser mit dem LKW befördert werden könnten.

Mit dem eHighway Klimaziele einhalten

Deshalb werde der Schwerlastverkehr auf der Straße unweigerlich steigen, Experten rechneten mit einer Verdreifachung bis 2050.  Das Projekt sei daher eine gute Möglichkeit trotzdem einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, denn der sei dringend notwendig.

Trotz effizienterer Technik stößt der Verkehrssektor nämlich mehr Treibhausgas  CO2 aus als 1990 und gefährdet damit Deutschlands Ziele beim Klimaschutz. Die Oberleitungs-LKW schlagen dabei in ihrer Effizienz laut den Ingenieuren von Siemens auch anderer Technologien wie Laster mit Wasserstoffantrieb oder Motoren für Biodiesel um Längen.

Die Teststrecke braucht Zeit

Trotzdem wird es noch dauern, bis die meisten deutschen Autofahrer einen Oberleitungs-LKW zu Gesicht bekommen. Für das Jahr 2019 sind zwei Teststrecken in Schleswig-Holstein und Hessen geplant, gefördert durch den Bund und die beiden Länder. Die eine soll den Lübecker Hafen mit einem Warenlager im Inland verbinden, die andere den Frankfurter Flughafen mit einem Umschlagplatz nahe Darmstadt.

In solchen Pendelstrecken sieht der Verkehrsreferent Matthias Scheffer auch das Haupteinsatzgebiet der Technologie. Von den knapp 12400 deutschen Autobahnkilometern will er daher auch nur rund 3000 Kilometer mit Oberleitungen ausstatten.

Das koste rund 6 Milliarden Euro – eine Million pro Kilometer und Fahrtrichtung. Verglichen mit den rund 270 Milliarden Euro, die laut Bundesverkehrswegeplan in den kommenden Jahren in die Verkehrsinfrastruktur fließen sollen, sei das ein überschaubarer Betrag.

Das Geld für die Investition? Kommt von den Nutzern

Auf lange Sicht sollen aber sowieso die Nutzer die Investitionen bezahlen. Zum Beispiel mit einer Extra-Abgabe auf den Strompreis. Das lohne sich auch für die Speditionen. Die Betriebskosten eines Oberleitungs-Hybrid-LKWs seien auf lange Sicht deutlich geringer als die eines klassischen Dieselfahrzeugs.

Trotzdem müsse man auch über attraktive Fördermodelle für den Anfang nachdenken, um Speditionen vom Umstieg zu überzeugen. Laut Ministerin Hendricks könnte das zum Beispiel über eine Mautbefreiung für Fahrten auf den Oberleitungsstrecken geschehen.

Zuletzt aktualisiert: 23.06.2017, 07:16:09