Hartes Vorgehen gegen die Autoindustrie – ja oder nein?

Gepostet am 02.08.2017 um 12:57 Uhr

Sollten die deutschen Autohersteller kräftig für Diesel-Nachrüstprogramme blechen oder besser verschont werden? Uwe Lueb und Mathias Zahn mit einem Pro & Contra zum Diesel-Gipfel.

PRO – Uwe Lueb:

Kennen Sie den shareholder value? Dahinter steckt die Strategie, die Aktien eines Unternehmens im Wert immer höher zu treiben. Das heißt: Hauptsache Gewinne machen. Auch mit Dreck-Dieseln. Dafür haben die Autokonzerne lästige Vorgaben trickreich umgangen oder nur vorgetäuscht erfüllt. Hier darf Politik nicht länger tatenlos zusehen aus Sorge um Wachstum und Wohlstand. Sie muss auch und vor allem die Menschen im Blick haben, die saubere Luft atmen wollen. Und die nicht verschaukelt werden wollen von einer gewinnsüchtigen Industrie. Daher sind endlich harte Vorgaben fällig – und strenge Kontrollen, ob sie eingehalten werden. Toyota mit Hybrid- oder Tesla mit Elektroautos zeigen, wie man auch mit saubereren Antrieben wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Der Todesstoß für die Autokonzerne wären mehr Auflagen also nicht. Womöglich sinkt der shareholder value. Aber da müssen die Aktionäre dann durch. Es geht auch um ihre Luft.

CONTRA – Mathias Zahn:

Jetzt bitte mal einen Gang zurückschalten. Die Aufregung um den Diesel ist hysterisch. Ökolobbyisten sind auf dem besten Weg, ihr Ziel zu erreichen und die Autokonzerne plattzumachen. So weit darf es nicht kommen. Natürlich: Die Autoindustrie muss die entstandenen Schäden beseitigen. Das hat sie ja auch angekündigt. Damit muss es aber gut sein. Die Politik darf der deutschen Schlüsselindustrie keine weiteren Fesseln anlegen und milliardenteure Nachrüstprogramme aufbrummen. Nicht die Politik sorgt für Innovationen und gut bezahlte Arbeitsplätze, sondern die Autokonzerne. Und die werden den Schuss sicher gehört haben. Aus einem Totalschaden wird man klug. Die Autoindustrie kann saubere Dieselmotoren bauen und das wird sie in Zukunft auch tun. Die Konzerne werden handeln, weil ihnen die Gewinne wegzubrechen drohen. Das ist Marktwirtschaft. Und die funktioniert am besten wenn sich die Politik raushält.

Zuletzt aktualisiert: 22.11.2017, 19:18:01