Große Pläne beim G20-Treffen der Arbeitsminister

Gepostet am 18.05.2017 um 16:36 Uhr

Zwei Tage lang suchen die Arbeitsminister der G20-Staaten in Bad Neuenahr Regeln und Modelle für eine Welt mit besseren Arbeitsbedingungen. Gesellschaftliche Diskussionen nehmen sie dafür in Kauf.

Schon vergessen ? Im April 2013 mussten über 1100 Frauen und Männer wegen der Gier ihrer Arbeitgeber sterben. Sie hatten zusammengepfercht in zahlreichen Nähereien und Schneidereien in einem morschen Hochhaus in Bangladesch geschuftet. Ihre Chefs zwangen sie trotz unübersehbarer Risse in dem Betonbau die Arbeit aufzunehmen. Die Toten hatten für Hungerlöhne Kleidung auch für bekannte deutsche Ketten gefertigt. Seither gilt die Katastrophe des “Rana-Plaza-Hochhauses” als Fanal zum Umdenken. Für sozial und ökologisch nachhaltige Lieferketten, und für ein anderes Entwicklungsmodell als: ausbeuten, billigst produzieren, exportieren.

Zwei Tage lang suchen die Arbeitsminister der G20-Staaten in Bad Neuenahr Regeln und Modelle für eine Welt, in der fast eine halbe Milliarde ArbeitnehmerInnen in globalen Lieferketten arbeiten. Außerdem geht es darum, dass die Einkommen von Frauen sich angleichen, dass Flüchtlinge weltweit Zugang zum normalen Arbeitsmarkt finden und dass die Welt sich darauf einstellt, dass viele Berufe wegfallen und andere an ihre Stelle treten. Weil die Digitalisierung das Leben und das Wirtschaften völlig verändert. 

Verbesserung von Arbeitsbedingungen

Was so theoretisch klingt, hat konkrete Auswirkungen. Länder wie Bangladesh haben sich in Jahrzehnten darauf eingerichtet, als Billigstlohnstandort im globalen Produktionsverband zu arbeiten. Andere Länder stehen noch am Anfang ihrer Industrialisierung  und haben die Chance, sich anders zu entscheiden. Darauf setzen Experten. Zum Beispiel in Myanmar. Mit Geld stärkt die Weltgemeinschaft alles, was mit der Kontrolle und der Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu tun hat.

Kontrolleure werden bezahlt, und nicht einheimische Regierungsstellen, und man sucht dafür gezielt Einheimische, die als unbestechlich gelten. Der Fonds ” Vision Zero” ist mit sieben Millionen Euro gefüllt. Das klingt nicht nach viel. Reicht aber beispielsweise, um die in Myanmar heißbegehrten Kleinmotorräder zu bezahlen, mit denen die Kontrolleure Baustellen und Kleinfabriken besuchen können, um  Arbeitsbedingungen in Augenschein zu nehmen.

Ein solches Maß an Kontrolle und Nachhaltigkeit ist für viele Länder ungewohnt. Zum Beispiel wenn Verbesserungsvorschläge zum Arbeitsprozess als ungebührliche Kritik wahrgenommen werden, bei der andere das Gesicht verlieren könnten. Somit soll das Projekt einen Mentalitätswandel in klein mit anregen – etwa indem man Geld für Verbesserungsvorschläge im Produktionsprozess auslobt. Bessere Arbeit kostet schlichtweg Geld, erst recht, wenn höhere Löhne gewollt sind. 

Produktivität und Politische Stabilität sichern

Das Spannende beim G20-Treffen der Arbeitsminister ist, dass sich inzwischen auch die Chinesen dafür erwärmen können. Immer mehr Staaten wird bewusst, das angemessene Löhne und Arbeitsbedingungen Arbeitszufriedenheit, Produktivität und letztlich auch politische Stabilität sichern helfen. Selbst die Trump-Administration unterstützt dieses Konzept und hat doch ihren Arbeitsminister nach Bad Neuenahr geschickt. Sicher auch aus Eigennutz. Durch bessere  – und teurere – Produktionsbedingungen in anderen Ländern gewinnen schließlich die USA ein Stück Wettbewerbsfähigkeit.

Gastgeberin Andrea Nahles will mit den G20, die 90 Prozent der weltweiten Wirtschaftskraft umfassen, jedenfalls einiges an Reformaufgaben auf den Weg bringen.  Die Teilnehmerstaaten lasten sich eine Menge Arbeit und gesellschaftliche Diskussionen auf. Etwa, wenn sie Frauen oder Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren wollen, von Saudi Arabien bis nach Mitteleuropa. Passend dazu gab es heute von der Ministerin Rucksäcke mit den Nationalflaggen – natürlich aus nachhaltiger Produktion und nachvollziehbaren Lieferketten.

Autoren: Thomas Kreutzmann und Mathias Zahn

Zuletzt aktualisiert: 25.05.2017, 12:34:15