Gegen die Gier hätte die Koalition längst etwas tun können

Gepostet am 27.02.2017 um 18:05 Uhr

Ein Wahlkampf-Thema, das gut klingt: Manager-Gehälter begrenzen. Doch die großen Parteien hätten schon längst etwas unternehmen können, kommentiert Thomas Kreutzmann.

„Gier ist gut!“ Der inzwischen sprichwörtliche Merksatz des Börsenmaklers Gordon Gekko aus dem Hollywood-Streifen „Wall Street“ von 1987 klingt auch 2017 immer noch obszön. Und war doch wegweisend. Noch 1991 hat ein deutscher Spitzenmanager das 28–fache eines Arbeitnehmerdurchschnittsgehaltes überwiesen bekommen. Heute ist es zum Beispiel bei den DAX-30-Unternehmen durchschnittlich das 57-fache.

Jetzt, vor der Bundestagswahl, versuchen auch SPD, CDU und CSU Punkte mit diesem Thema zu machen. Ein bisschen peinlich. Denn die Große Koalition hatte schon viel Zeit, um Einfluss auf den Selbstbedienungsladen in den Chefetagen zu nehmen.

Begrenzte Wirkungsmacht

Aufschlag SPD: Vorstandsgehälter über einer halben Million Euro pro Jahr sollen vom Unternehmen nicht mehr steuermindernd als Betriebsausgaben abgesetzt werden können. Das ist von begrenzter Wirkungsmacht. Denn falls mal ein Milliönchen an höherer Steuerlast anfallen sollte, können das Großkonzerne schon gut verkraften oder steuerlich anderswo wegoptimieren.

Außerdem will die SPD, dass die Aktionärs-Hauptversammlung ein Maximalverhältnis von Vorstandsgehalt zu durchschnittlichem Mitarbeitergehalt festlegen soll. Zumindest Deckelungen durch die Aktionäre findet auch CDU-Finanzstaatssekretär Jens Spahn gut, und die CSU ist grundsätzlich sowieso zum Mitmachen bereit.

Bekämpfung von Fehlanreizen

Allerdings ist die Sache mit der Aktionärsversammlung – je nach Eigentümerstruktur – schwierig. Haben wenige Großaktionäre das Sagen, setzen sie ohnehin durch, was sie wollen. Und Kleinaktionäre sind durch Dividendenversprechen und –zahlungen korrumpierbar. Schließlich: Wer sagt, ob ein Manager das 10-, 30- oder 50-fache des Durchschnittsgehalts in einem Unternehmen wert ist?

Unter dem Strich muss es um die Bekämpfung von Fehlanreizen gehen: Suchen Manager für maximale Boni den kurzfristigen Hochrisiko-Profit, und nehmen dafür langfristige Schäden für die Firma in Kauf? Brauchbar wäre: Festgehälter nach oben zu deckeln, zum Beispiel sie ab einer bestimmten Höhe sehr schmerzhaft zu besteuern.

Der Staat muss es nur tun

Im Gegenzug dürften leistungsgerechte, auch hohe Boni bleiben – die die Manager aber auch noch nach fünf Jahren noch zurückzahlen müssten, falls sich ihre Entscheidungen als schwere Fehler herausstellen. Ähnliche „clawback“-Klauseln gibt es bereits vereinzelt. Die SPD denkt auch darüber nach, sie verbindlich zu machen.

Übrigens könnten Deutschlands PolitikerInnen jetzt schon besonders aberwitzige Managereinkommen begrenzen. Denn unter allen DAX-30-Unternehmen vergolden VW und die Deutsche Post ihren leitenden Angestellten den Chefsessel am meisten. Ausgerechnet bei diesen beiden Konzernen hat der Staat ein gewichtiges Wort mitzureden. Er muss es nur tun.

Zuletzt aktualisiert: 29.03.2017, 15:12:30